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Letzte Aktualisierung: 16.11.2018

Die Künstlerin Ev Grüger ist tot

von Adolf Albus

(20.12.2017) Ev Grüger hat sich mit ihrem künstlerischen Schaffen über Jahrzehnte in herausragender Weise um das Ansehen der Stadt Hofheim verdient gemacht. Sie beteiligte sich an internationalen Biennalen, Einzel- und Gruppenausstellungen. Am 9. November 2017 starb die Künstlerin im Alter von 89 Jahren.

Die Stadt Hofheim hatte Ev Grüger aus Anlass ihres 80. Geburtstages für ihr künstlerisches Lebenswerk mit dem Ehrenring in Gold ausgezeichnet. Mit dem Kulturpreis des Landes Hessen war sie bereits 1987 geehrt worden.

Ev Grüger wurde am 10. April 1928 in Altenburg / Thüringen geboren und verbrachte ihre Kindheit in Reichenbach / Vogtland. Bereits mit 14 Jahren beschloss sie zeichnen zu lernen und setzte dieses Vorhaben nach dem Schulabschluss an der Meisterschule für Textilindustrie in Plauen / Vogtland um – eine andere Möglichkeit gab es nicht.

1944 wurde die Meisterschule, wie alle Kunstschulen, geschlossen. Ev Grüger musste bis zum Kriegsende in einem Rüstungsbetrieb arbeiten. Nach dem Krieg studierte sie an der Hochschule für Bildende Künste Weimar. Ihre Lehrer waren Otto Herbig (Malerei) und Hans van Breek (Bildhauerei).

Die politische Entwicklung führte 1951 zu Ev Grügers Entschluss, die DDR zu verlassen. Sie ging nach West-Berlin, wo sie von 1951 bis 1957 an der Hochschule für Bildende Künste studierte und Meisterschülerin von Karl Schmidt-Rottluff wurde.

1956 erhielt sie den Preis des Freundeskreises der Universität der Künste e.V. (Karl Hofer Gesellschaft). 1957 ging sie mit einem Stipendium des deutschen Akademischen Austauschdienstes nach Paris.

Bei einem ihrer Berlinbesuche entdeckte Hanna Bekker vom Rath Textilarbeiten von Ev Grüger und lud die Künstlerin nach Hofheim ein. Den Besuchen folgte 1958 der Umzug nach Hofheim. Ev Grüger wohnte zunächst im Souterrain des Hauses im Garten von Hanna Bekker vom Rath, in dessen oberster Etage sich auch Schmidt-Rottluff’s Atelier befand.

Die ersten Jahre waren harter Existenzkampf. Seit sich Ev Grüger in Hofheim niedergelassen hatte, lebte sie konsequent und eigenwillig als freischaffende Künstlerin. Sie malte, wand sich dem Medium der Druckgrafik zu und arbeitete auch im Bereich der angewandten Kunst.

Seit 1958 waren von Ev Grüger zahlreiche Einzelausstellungen sowie Beteiligungen an Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

Erste Einzelausstellungen zeigten Batik und Grafik: 1959/60 beim „deutschen bücherbund“ in Frankfurt, im Kunstkeller Wiesbaden und im Frankfurter Kunstkabinett.

Seit 1962 beteiligte sich Ev Grüger einige Jahre mit Gemälden und Zeichnungen an den Ausstellungen der Freien Gruppe Hofheim. Sie erhielt öffentliche Aufträge für Glasfenster, darunter die der Kapelle des Hofheimer Krankenhauses.

Ab 1967 nahm sie regelmäßig an Grafik-Biennalen, an Ausstellungen für Handzeichnung sowie an Ausstellungen der Darmstädter Sezession teil.

Ausgezeichnet wurde Ev Grüger 1974 mit dem Studienpreis der Heussenstamm-Stiftung Frankfurt und dem Preis der Marielies Hess-Stiftung.

Während in den 1960er Jahren das malerische Schaffen im Vordergrund stand, beschäftigte sie sich in den 1970er Jahren vorrangig mit Zeichnung.

In ihren frühen Bildern setzte sie sich mit abstrakten Formen auseinander, die an technische Apparate erinnern. Auch die Zeichnungen, die Stilleben und Landschaften thematisieren, zeigen das detailliert komponierte Sujet losgelöst von seiner Umgebung.

Parallel zu den Bildern und Zeichnungen entstand ein umfangreiches grafisches Werk in den Techniken des Siebdrucks und der Offsetlithografie. Für die Entwicklung dieser damals neuen Technik erhielt Ev Grüger im Jahr 1977 den 1. Preis der Internationalen Senefelder-Stiftung.

1988 präsentierte die Stadt Hofheim ihr zeichnerisches Werk mit einer Ausstellung im Rathaus. Das Stadtmuseum veranstaltete im Jahr 2000 eine Werkschau ihrer Collagen der 1990er Jahre. Aus Anlass ihres 80. Geburtstages zeigte das Stadtmuseum eine Auswahl ihres künstlerischen Schaffens.

Die Werke von Ev Grüger befinden sich in öffentlichem Besitz und Privatsammlungen.