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Letzte Aktualisierung: 19.09.2018

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Die Frankfurter Straßenbahn bekommt ein neues Gesicht

Auftrag für 43 neue Straßenbahnen geht an Alstom

Dieser Artikel wurde eingestellt von Ilse Romahn

(20.06.2018) Die Frankfurter Straßenbahn bekommt ein neues Gesicht. Mit der Vergabe der 2017 ausgeschriebenen Straßenbahnwagen vom Typ „T“ an den französischen Hersteller Alstom springt die VGF in eine neue Zeit – zumindest, was die äußere Form der Straßenbahnwagen betrifft.

Das neue Gesicht der Frankfurter Straßenbahn
Foto: VGF
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Das äußerliche Erscheinungsbild der in den vergangenen Jahrzehnten beschafften Fahrzeuge war – wie fast überall in Deutschland – hauptsächlich von dem Dreiklang „rechteckig, praktisch, gut“ bestimmt. Mit den nun bestellten Fahrzeugen wechselt die VGF zu einem Design, das die Modernität des Systems Straßenbahn ebenso zum Ausdruck bringt wie die Internationalität der Stadt Frankfurt.

„Ich bin sicher, dass das neue Erscheinungsbild der Frankfurter Straßenbahn zu einem Markenzeichen der Stadt Frankfurt werden und ebenso die Zukunftsfähigkeit des Systems Straßenbahn zum Ausdruck bringen wird. Wir bedanken uns bei Alstom für das gelungene Design“, sagte dazu der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der VGF ist. Das neue Design wurde von Alstom speziell für Frankfurt entwickelt.

Der von Alstom gewonnene Auftrag stammt aus einer Ausschreibung der VGF für die Beschaffung von 38 Niederflurwagen aus dem Jahr 2017. Sie enthielt außerdem eine Option zur Beschaffung weiterer 15 Fahrzeuge. Aufgrund der gestiegenen Fahrgastzahlen und der ebenfalls weiter steigenden Einwohnerzahlen hat der Aufsichtsrat der VGF beschlossen, schon jetzt fünf weitere Fahrzeuge aus dieser Option zu beschaffen, sodass die Anzahl der heute bestellten Fahrzeuge auf 43 steigt. Diese Zusatzbestellung steht noch unter dem Gremienvorbehalt der Zustimmung der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke Holding.

„Mit der nun vorgenommenen Beschaffung und der vereinbarten Option sind wir in der Lage, nicht nur die älteren Wagen vom Typ ‚R‘ aus den neunziger Jahren zu ersetzen, sondern wir werden der aus der steigenden Einwohnerzahl erwachsenden zusätzlichen Nachfrage bis weit ins nächste Jahrzehnt nachkommen können“, so Oesterling. „Bei Bedarf sind wir in der Lage, jederzeit nachzubestellen.“ Der Verkehrsdezernent sagte in diesem Zusammenhang, die VGF bereite derzeit auch die außerplanmäßige Beschaffung zusätzlicher U-Bahn-Wagen vor. Damit – und mit den neuen Straßenbahnen – werde die VGF insgesamt für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet sein.

VGF-Geschäftsführer Michael Rüffer sagt zu den neuen Fahrzeugen, die technisch auf vielen Elementen der Alstom-Serie „Citadis X05“ basieren: „Die von uns nun neu bestellten Fahrzeuge erfüllen die neusten Standards und bieten darüber hinaus einige Neuigkeiten“. Während die Vollklimatisierung schon seit Jahren Standard sei, seien die neuen Fahrzeuge im Inneren zu hundert Prozent niederflurig und damit sowohl im Zustieg als auch im Inneren barrierefrei. Große Panoramafenster böten nicht nur den Fahrgästen eine gute Aussicht, sondern sorgten gemeinsam mit einer LED-Beleuchtung im Fahrzeuginnern für angenehme Lichtverhältnisse. Großzügige Mehrzweckflächen böten Rollstuhlfahrern, Kinderwagen und Fahrrädern ausreichend Raum. Eine vierte Tür pro Seite diene dem schnelleren Fahrgastwechsel. Und: „Mit einem für die Straßenbahn neuen Fahrgastinformationssystem, das auf Bildschirm-Displays beruht, und einem Fahrerassistenzsystem, das dem Fahrer hilft, Hindernisse besser zu erkennen, bietet der neue Straßenbahnwagen Innovationen, die sowohl den Fahrgästen, als auch unserem Fahrpersonal dienen“, so Rüffer weiter.

Die Fahrzeuge bieten weiter standardmäßig eine Reihe von Optionen: Sie sind sowohl für die Einrichtung von W-LAN vorbereitet, als auch für batterieelektrischen Betrieb nachrüstbar, sollten beim weiteren Ausbau des Frankfurter Straßenbahnnetzes auch fahrdrahtlose Abschnitte zu befahren sein. Für besonders wichtig hält Rüffer die Möglichkeit, die Fahrzeuge mit einem zusätzlichen Mittelteil nachzurüsten: „Damit schaffen wir eine kostengünstige Möglichkeit, unsere Kapazitäten zu vergrößern. Allerdings müssen bis dahin noch einige Anpassungen im Streckennetz vorgenommen werden.“

Mit der Lieferung der ersten Fahrzeuge ist Ende 2020 zu rechnen. Die ersten neuen Fahrzeuge werden die nicht barrierefreien Fahrzeuge vom Typ „Pt“ ersetzen, die vom Winterfahrplan an wegen der starken Nachfrage übergangsweise reaktiviert werden. Das Gesamtauftragsvolumen für die 43 Fahrzeuge beträgt 113,5 Millionen Euro.

Mit dem nun vergebenen Auftrag schafft die VGF erstmals Fahrzeuge des französischen Herstellers Alstom an. Alstom, in Deutschland vor allem als Produzent des französischen Hochgeschwindigkeitszugs TGV bekannt, ist einer der weltweit größten Schienenfahrzeug-Hersteller. Alstom steht wie kein anderes Unternehmen für die Renaissance der Straßenbahn. Das Unternehmen hat für zahlreiche neue beziehungsweise wiedererstandene Straßenbahnbetriebe die Fahrzeuge geliefert, so zum Beispiel für Paris, Reims, Lyon, Strasbourg, Bordeaux, Barcelona, Rabat, Tunis, Istanbul, Sydney oder Jerusalem. Markenzeichen von Alstom ist das besonders auf die jeweiligen Städte abgestimmte Design.

Alstom zeigte sich hocherfreut über den Auftrag aus Frankfurt. „Wir freuen uns über das Vertrauen der VGF in die Straßenbahnen von Alstom. Die Stadt Frankfurt erlebt derzeit ein rasantes Wachstum. Alstom ist stolz, mit unseren Fahrzeugen einen attraktiven Beitrag zur Mobilität in Frankfurt leisten zu können“, so Dr. Jens Sprotte, Leiter Geschäftsbereich Stadtverkehr & Systeme von Alstom in Deutschland und Österreich. „Wir sind sicher, dass wir auch in Frankfurt mit unseren Produkten zur Zufriedenheit der Fahrgäste überzeugen können.“