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Letzte Aktualisierung: 22.10.2019

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Der Eiserne Steg – ein Frankfurter Wahrzeichen feiert Geburtstag

von Ilse Romahn

(30.09.2019) Flaneure und Touristen aus aller Welt haben hier schon unzählige Fotos geschossen, verliebte Teenager schwören sich hier ewige Liebe und besiegeln ihren Schwur mit einem Liebesschloss, das sie an seine Brüstung ketten.

Für manche ist die 173,59 Meter lange und 5,44 Meter breite Fußgängerbrücke schlichtweg der kürzeste Weg zur Arbeit und willkommene Abkürzung auf dem Weg von Hibbdebach nach Dribbdebach. Für viele ist der Eiserne Steg eine von Frankfurts beliebtesten Touristenattraktionen und weithin sichtbares Wahrzeichen der Mainmetropole.

„Für uns ist die Existenz des Eisernen Stegs eine Selbstverständlichkeit. Doch das war es für das Frankfurt vor 150 Jahren beileibe nicht. Die Geschichte dieses imposanten Brückenbauwerks ist aufs engste mit der Historie unserer Stadt und ihrem Aufstieg zur internationalen Wirtschaftsmetropole verknüpft“, sagte Oberbürgermeister Peter Feldmann während einer Feierstunde anlässlich des 150. „Brücken-Geburtstags“ am Freitag, 27. September. Denn am 29. September 1869 wurde der Eiserne Steg als zweite Frankfurter Mainbrücke seiner Bestimmung übergeben.

Wie so oft in der Frankfurter Stadtgeschichte war es das Bürgertum, das wichtige Innovationen vorantrieb und für den Bau des Eisernen Stegs aufkam. Als damit 1868 begonnen wurde, platzte die Innenstadt aus allen Nähten: Denn Frankfurt litt mal wieder unter erheblichen Wachstumsschmerzen – die Einwohnerzahl stieg binnen 40 Jahren von 35.000 im Jahr 1800 auf 57.000 im Jahr 1840. Damit einher ging ein extrem gesteigerter Warenverkehr, der bis dato ausschließlich über die Alte Brücke abgewickelt wurde.

„Allein in der Innenstadt verbinden heute insgesamt acht Brücken das nördliche mit dem südlichen Mainufer. Doch man kann sich kaum ausmalen, welches Getümmel seinerzeit auf der Alten Brücke geherrscht haben muss, als sich täglich tausende Fiaker, Fußgänger und berittene Passanten drängten. Den Frankfurtern war klar: Es muss etwas passieren: Doch die Stadt hatte wie so oft kein Geld“, umriss der Oberbürgermeister die Ausgangslage vor über 150 Jahren. Um Abhilfe zu schaffen, gründeten Frankfurter Bürger eine „Actiengesellschaft“ zur Finanzierung der auf 120.000 Gulden geschätzten Baukosten.

Erst nach erfolgter Refinanzierung anno 1886 wurde die Brücke offiziell an die Stadt übergeben. Bis dahin musste jeder Passant einen Wegzoll in Höhe von einem Kreuzer entrichten. Die günstigste Fahrt mit der Pferdebahn kostete damals vier Kreuzer. Man kann also sagen, dass die Passage des Eisernen Stegs für Zeitgenossen etwa so teuer war wie ein RMV-Kurzstreckenticket.

Mit der Konstruktion des Eisernen Stegs öffnete sich in architektonischer Hinsicht das Tor zur städtebaulichen Moderne. Das Arbeitsmaterial Schmiedeeisen, aus dem die 500 Tonnen schwere Brücke ebenso wie der 1889 errichtete Eiffelturm gefertigt wurde, war erst seit Kurzem in industriellem Maße verfügbar. Der Ingenieur Peter Schmick wurde für seinen Entwurf bei der Weltausstellung 1873 in Wien gar mit einem Fortschrittspreis geehrt.

Der Bau der Brücke war zugleich der Beginn einer städtebaulichen Offensive, die Frankfurt, wie wir es kennen, bis heute prägt: 1873 wurde mit dem Bau der ebenfalls privatfinanzierten Alten Oper begonnen. 1888 folgte der damals noch am Stadtrand gelegene Hauptbahnhof samt des davon abzweigenden Prachtboulevards Kaiserstraße. „Die Errichtung des modernen Frankfurts begann mit einem Brückenschlag über den Main. Unsere heutige Wirtschaftsmetropole ist ebenfalls von rasantem Wachstum geprägt. Um dieses Wachstum zu bewältigen, schlagen wir heute keine Brücken über Flüsse, sondern in die Region“, sagte Oberbürgermeister Feldmann.

Der Eiserne Steg, wie er heute den Main überspannt, ist übrigens nicht das Originalbauwerk von 1869. Als der Osthafen im Jahr 1910 ausgebaut wurde, musste der Eiserne Steg angehoben werden, damit größere Schiffe die Brücke gefahrlos passieren konnten. Zugleich wurde der Gehweg von 3,98 auf 5,44 Meter verbreitert. Im März 1945 sprengten die Nazis die Brücke entzwei, um Frankfurt vor den anrückenden Truppen der Alliierten zu „schützen“. Bereits kurz nach Kriegsende war der Eiserne Steg jedoch wieder passierbar. Eine erneute Anhebung um 40 Zentimeter auf nunmehr 6,50 Meter war 1969 im Zuge der Arbeiten am Rhein-Main-Donaukanal erforderlich. 1993 wurde das Bauwerk zum Preis von 16 Millionen Mark grundlegend saniert und um die Aufzüge an beiden Uferseiten ergänzt.

„Mit dem heutigen Tag und der Einweihung der neuen Lichtanlage schreiben wir die bewegte Geschichte dieses Frankfurter Wahrzeichens fort. Ich bin sicher, dass der Eiserne Steg mindestens noch weitere 150 Jahre das Antlitz dieser Stadt prägt“, sagte das Stadtoberhaupt. Für das Flair vergangener Zeiten sorgte während der Feierstunde die Kostümgruppe „Sachsehäuser Berjersleut", die in ihren Kleidern aus dem 19. Jahrhundert an die Anfangsjahre des Eisernen Stegs erinnerten. Den modernen Gegenpol bildete eine zweistündige Illumination des Eisernen Stegs, mit der sich die Brücke für alle Besucher in festlichem Licht präsentierte.

Damit der Eiserne Steg auch zukünftig im richtigen Licht erscheint, wurde der Fußweg über die Brücke mit einer neuen Beleuchtung ausgestattet. Die neuen Leuchten wurden vom zuständigen Amt für Straßenbau und Erschließung selbst entwickelt und in der Frankfurter Partnerstadt Leipzig gefertigt. Sie entsprechen den Anforderungen an eine umweltverträgliche Beleuchtung und passen sich durch ihr zeitloses Design optimal dem Brückengeländer unterhalb des Handlaufs an.

Stadtrat Klaus Oesterling, der als zuständiger Dezernent die neue Beleuchtung am Freitagabend gemeinsam mit Oberbürgermeister Feldmann einschaltete, ist mit der städtischen Eigenentwicklung sehr zufrieden: „Die 51 neuen Leuchten auf dem Eisernen Steg waren aufgrund der eigenen Entwicklungsleistung preisgünstig. Die moderne LED-Technik ist umweltfreundlich und steht darüber hinaus auch für geringe Betriebskosten“, sagte Oesterling. (ffm)