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Letzte Aktualisierung: 25.06.2019

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Der Bagger rollt für gemeinschaftliches Wohnprojekt in Niederrad

von Ilse Romahn

(23.07.2018) In der Triftstraße entstehen mehr als 50 genossenschaftliche Wohnungen sowie gesellschaftliche und kulturelle Nutzflächen, von denen auch der Stadtteil profitieren soll.

Mit dem symbolischen Spatenstich begann am 19. Juli offiziell der Bau des fünfstöckigen Wohnhauses in der Triftstraße 34 in Niederrad. Als Genossenschaft für gemeinschaftliches Wohnen errichtet die Wohngeno e.G. dort über 50 Wohnungen und Gemeinschaftsräume für mehr als 100 Menschen verschiedener Generationen. Damit ist BeTrift in Niederrad das derzeit größte Projekt dieser Art in Frankfurt. Außerdem entstehen über 300 qm Nutzfläche für gesellschaftliche und kulturelle Angebote, die sich auch an die Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils richten sollen. Mit dem gemeinschaftlich organisierten Wohnprojekt BeTrift realisiert die noch junge Genossenschaft ihr zweites Projekt und schafft bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt. „Es ist eine Herausforderung, ein solches Projekt in Eigenregie, ohne kommerzielles Interesse und ohne finanzkräftigen Investor im Hintergrund zu realisieren – und sich dabei auch gegen manche Widerstände im umkämpften Frankfurter Immobilienmarkt durchzusetzen. Deshalb sind wir sehr glücklich, jetzt mit dem Bau beginnen zu können“, erklärt Joachim Lölhöffel, Vorstandsmitglied der Wohngeno.

Intensive Vorarbeiten: von der Gründung der Gruppe bis zum Vertragsabschluss

Der Bau wird seit mehreren Jahren intensiv vorbereitet. Die Projektgruppe BeTrift wurde kontinuierlich aufgebaut, neue Mitglieder wurden gewonnen und in die Gruppe integriert. Gemeinsam hat die Gruppe Finanzierungskonzepte entwickelt und Baupläne diskutiert. „Ein Projekt dieser Größenordnung selbstorganisiert aufzubauen und umzusetzen, ist eine Herkulesaufgabe und braucht seine Zeit. Wir sind stolz, dass wir es als Gruppe jetzt soweit geschafft haben. Das wäre nicht möglich ohne den unglaublichen Einsatz des Vorstands, und auch die gesamte Gruppe leistet einen wichtigen Beitrag“, betont Franziska Wallmeier, Vorsitzende des Aufsichtsrats und Mitglied von BeTrift.

Für die Umsetzung des Baus hat sich die Wohngeno erfahrene Partner geholt. Das Architekturbüro bb22, das bereits an anderen gemeinschaftlichen Wohnprojekten mitwirkte, hat unter Beteiligung der Projektgruppe die Planung erarbeitet. Zur Steuerung des Bauvorhabens wurde die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung Frankfurt gewonnen. mCM Construction Management übernimmt als Generalübernehmer die Realisierung des Baus. Ende des Jahres 2019 soll das Gebäude fertiggestellt sein, sodass der Einzug Anfang 2020 stattfinden kann.

Gemeinschaftlich, sozial, kulturell und ökologisch

Die Projektgruppe BeTrift hat sich zum Ziel gesetzt, eine Alternative zu teurem und isoliertem Wohnen in Frankfurt zu schaffen. Durch kostenbewusstes Bauen strebt die Gruppe eine Miete an, die unter der durchschnittlichen Neubaumiete liegt. Außerdem wird etwa ein Viertel der Wohnfläche sozial gefördert. „Wir wollen einen Lebensraum für Menschen aus unterschiedlichen Generationen, mit unterschiedlichen Lebensentwürfen und Einkommen schaffen. Dabei stellen wir uns eine ungezwungene Solidarität und Gemeinschaft vor, in der jeder so viel einbringt, wie er oder sie kann und möchte“, erklärt Rudi Schätzlein, Mitglied der Wohngeno.

Platz für gemeinschaftliche Aktivitäten wird es im Innenhof und Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss sowie auf breiten Laubengängen und Dachterrassen geben. Das ökologische Mobilitätskonzept sieht Car-sharing-Parkplätze in der Tiefgarage und viele Stellplätze für Fahrräder vor. Teile des Dachs sollen begrünt werden und für urban gardening zur Verfügung stehen.

Zum Stadtteil geöffnet

Im Erdgeschoss wird neben dem Gemeinschaftsraum umfangreiche Fläche für eine vielfältige Nutzung entstehen. Derzeit sind eine Atelierwerkstatt und ein sozialer Cafébetrieb in Planung. „Wir wollen dabei nicht unter uns bleiben, sondern auch Begegnungsorte für die unterschiedlichen Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils schaffen“, so Christel Wilke-Wartski, Mitglied der Wohngeno. BeTrift will auch kulturelle Impulse für die Umgebung setzen. Einige Mitglieder sind professionelle Kulturschaffende, andere begeisterte Laien. Sie haben bereits einen Verein gegründet, der die kulturellen Aktivitäten im und um das Projekt fördern soll.

Unterstützung sehr willkommen

Zum aktuellen Zeitpunkt sind alle geplanten Wohnungen in der Triftstraße vergeben und die Grundfinanzierung ist gesichert. „Aber weitere finanzielle Unterstützung können wir dennoch sehr gut gebrauchen. In der Ausgestaltung des Projektes gibt es noch viel Spielraum. Außerdem sind weitere Wohnprojekte angedacht. Wer solidarische Lebensformen unterstützen will oder selbst daran Interesse hat, darf sich sehr gerne bei uns melden“, erklärt Anne Lamberjohann, Vorstandsmitglied. Es gibt die Möglichkeit, der Wohngeno beizutreten und freiwillige Anteile zu erwerben – entweder als Unterstützerin oder Unterstützer oder weil man Teil eines künftigen Projekts werden möchte.