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Letzte Aktualisierung: 15.07.2019

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Chemische Industrie im Abwind

Produktion und Umsatz sinken im 1. Halbjahr 2019

von Karl-Heinz Stier

(04.07.2019) Die chemisch-pharmazeutische Industrie konnte im ersten Halbjahr 2019 nicht an das hohe Niveau des Vorjahres anknüpfen. Langsameres Wachstum der Weltwirtschaft, schwache Industriekonjunktur in Teilen Europas und Verunsicherung der Märkte durch die politischen Handelskonflikte hat die Produktion im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6, 5 Prozent sinken lassen.

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Präsident Hans Van Bylen referierte über die aktuelle Lage der Branche
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In der Diskussion standen Rede und Antwort: Chefvolkswirt Hendrik Meinke, Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann, Präsident Van Bylen und Pressesprecher Hans Ritz
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Die Tabelle zeigt Prognose des Verbandes für das gesamte Geschäftsjahr 2019
Foto: Karl-Heinz Stier
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Der deutliche Rückgang von Menge und Geschäftsergebnis hängt auch mit der Normalisierung des Höhenfluges der Pharmasparte zusammen, deren Produktion 2018 durch einen Sondereffekt sprunghaft gestiegen war. Der Umsatz von Deutschlands drittgrößter Branche schrumpfte so im Vergleich zum Vorjahr um 4 Prozent auf knapp 96 Milliarden Euro.

Wie der Verband der Chemischen Industrie (VCI) mit Sitz in Frankfurt in seiner Halbjahresbilanz berichtet, waren nahezu alle Produktionsbereiche von der schwächeren Nachfrage betroffen. So die Produktion von Spezialchemikalien (- 4 %), Pharmazeutika (- 14 %), die Herstellung von Polymeren (- 7 %) und die von Seifen, Wasch-und Reinigungsmitteln (- 4,5 %). Trotz der verhaltenen Chemiekonjunktur stieg die Beschäftigung leicht auf 464 800 Mitarbeiter (+ 0,5 %).

Den weiteren Geschäftserwartungen sieht derzeit die Branche wenig optimistisch entgegen. Der VCI geht allenfalls von einer moderaten Erholung im weiteren Jahresverlauf aus. „Die Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung bleiben hoch. Es drohen steigende Zölle zwischen den USA und China und die Gefahr militärischer Konflikte im Nahen Osten nimmt zu. Sollte es dazu kommen, hätte das deutliche negative Auswirkungen auf die deutsche Industrie“, meinte VCI-Präsident Hans Van Bylen. Deshalb hat der VCI seine bisherige Prognose für das Gesamtjahr 2019 gesenkt und spricht von einem Produktionsrückgang von 4 Prozent.

Was die Klimadiskussion angeht, so misst ihr der Verband der Chemischen Industrie große Bedeutung zu. So werde zum Beispiel durch den Einsatz von Kunststoffen der Treibstoffbedarf aller Fahrzeuge in Deutschland um 500 Millionen Liter pro Jahr verringert. Auch der Ausstoß von Treibhausgasen bei der Chemie habe sich seit 1990  halbiert – trotz eines Anstieges der Produktion um fast 70 Prozent. Ursache dafür sei, dass die Branche mit vielen ihrer Anlagen am Emissionshandel für CO2-Zertifikate teilnimmt. Seitdem ist dieser Ausstoß  um 26 Prozent gesunken. Da das System bis 2030 festgeschrieben sei, werde sich die Zahl verlässlich noch auf 43 Prozent verringern.

Für die Einführung eines nationalen CO2-Preises kann sich der VCI nicht erwärmen. „Ein nationaler Alleingang  macht keinen Sinn. Weder für das Klima noch für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, Beschäftigung und Wohlstand“, sagte Van Bylen. Deutschlands Anteil an den weltweiten CO2-Emissionen betrage aktuell 2,2 Prozent. Die Wirtschaft in den G20-Ländern stehe hingegen für rund 80 Prozent der globalen Emissionen des Treibhausgases CO2. Deshalb seien alle politischen Anstrengungen darauf zu lenken, auf der Ebene der G20 -Ländern einen gemeinsamen CO2- Preis zu vereinbaren.

Der VCI vertritt die wirtschaftspolitischen Interessen von rund 1 700 deutschen Chemieunternehmen und deutschen Tochterunternehmen ausländischer Konzerne gegenüber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. Der Verband steht für 90 Prozent der deutschen Chemie. Die Branche setzte 2018 203 Milliarden Euro um.