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Letzte Aktualisierung: 21.05.2019

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Brigitte Hewel blickt auf ein erfülltes berufliches, politisches und privates Leben zurück

von Helmut Poppe

(11.01.2019) Von der Pressestelle zur ersten Vorsitzenden im Landesfachausschuss und jetzt Ehrenvorsitzende der FDP Bad Soden.

Bildergalerie
Dr. Brigitte Hewel
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Dr. Brigitte Hewel rechts mit Johannes Baron, FDP Main-Taunus und Bettina Stark-Watzinger MdB
Foto: frankfurt-live, Poppe
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Betritt man das Haus in Bad Soden, errät man gleich den jungen Zuwachs, denn neben der Tür sind Familien-typisch die Wachstumsgrößen der Enkel markiert.  Dr. Brigitte Hewel blickt nicht nur auf ein mit Erfahrungen reichlich ausgestattetes Leben zurück, sie ist immer noch mit Verve und Präsenz dabei, und es plaudert sich mit ihr ganz vergnüglich und fundiert zugleich.

Als junge Frau begann sie ihre Karriere in einer der Industrie und Handelskammer Frankfurt angegliederten Pressestelle und gewann dort erste Kontakte zur Unternehmenswelt. In der Wirtschaft entwickelte sie sich nicht nur im Hochschulumfeld, sondern sie gewann auch für ihr Leben später wichtige Erfahrungen in pädagogischer Hinsicht. Sie studierte in den 60er Jahren Volkswirtschaftslehre und arbeitete als Professorin an der damaligen FH Frankfurt, heute FUAS. Zu ihren Publikationen gehören neben einem VWL-Lehrbuch, das sie gemeinsam mit Kollegen aus anderen Hochschulen geschrieben hat, Veröffentlichungen wie „Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Wirtschaftsförderung“, sowie „Öffentliche Verwaltungen nachhaltig modernisieren“.  Eine Tätigkeit in zwei beruflichen Schulen in Mainz und Hofheim vor dem Wechsel in die Hochschule eröffnete ihr einen weiteren Blick auf die Welt der Unternehmen. Als besonders interessante Erfahrung in ihrer Karriere bezeichnet sie ihre Wahl zur Vorsitzenden des Landesfachausschusses Wissenschaft und Kunst zu einer Zeit, in der es alles andere als selbstverständlich war, dass solch eine Position von einer Frau besetzt wird. Spannend fand sie auch die Mitarbeit an der Formulierung eines neuen Hochschulgesetzes in der Amtszeit von Ruth Wagner als Wissenschaftsministerin, das es den hessischen Hochschulen erstmals erlaubte, in Fragen der Selbstverwaltung eine wesentlich eigenständigere Rolle zu spielen als zuvor. Ausgesprochen negative Momente erkennt sie im Rückblick auf ihre berufliche und politische Tätigkeit nicht, abgesehen von „Leid und Elend im Tagesgeschäft“.

Reichlich Beziehung zu den jüngeren Generationen hat sie täglich, denn wie eingangs beschrieben, wohnt sie in einem Mehrfamilienhaus mit Tochter, Schwiegersohn und deren Kindern. Ihr Sohn wohnt ebenfalls in Bad Soden. Er ist es, der seine Mutter in digitalen Dingen gerne mit Rat und Tat unterstützt.

Bei diesem Thema fragt sie sich, warum Kommunen nicht von Anfang an mehr miteinander kooperiert und gemeinsame Lösungen entwickelt haben, zum Beispiel im Einsatz digitaler Verfahren in der Verwaltung und im Kontakt mit Bürgern. Auch sieht sie großen Bedarf an Kooperation und Vernetzung im Bildungs- und Kulturbereich, z.B. in einem regionalen oder sogar landesweiten Bibliotheksnetzwerk.

Jüngst wurde Dr. Brigitte Hewel zur Ehrenvorsitzenden der FDP im Ortsverband Bad Soden gewählt. Auf Kreisebene spielte sie zu Beginn der 2000er Jahre eine wesentliche Rolle als Mitglied der Kreistagsfraktion der Liberalen, eine Zeitlang auch als Fraktionsvorsitzende. In dieser Zeit war sie gemeinsam mit dem Schuldezernenten Wolfgang Kollmeier an den Regelungen beteiligt, die dazu führten, dass die Engpässe in einzelnen Kommunen beim Übergang von der Mittel- zur Oberstufe durch eine verstärkte Kooperation zwischen den Schulen und vereinfachte Bewerbungsverfahren gelöst wurden.

Seit ihrem Umzug von Schwalbach nach Neuenhain 1976 hat sie sich in der FDP Bad Soden engagiert. In einer schwierigen Zeit übernahm sie 1998 den Vorsitz des Ortsverbandes und war dann von 2001 bis 2016 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Für dieses ehrenamtliche Engagement wurde sie mit dem Titel Ehrenstadtverordnete geehrt.  Dabei ist es ihr und den Fraktionskollegen gelungen, durch gute Argumente und Hartnäckigkeit eine Mehrheit z.B. für die Erarbeitung eines Stadtentwicklungskonzepts zu gewinnen, das seit einigen Jahren vorliegt. Besonders gefreut hat sie sich, dass die Mehrheit der Stadtverordneten nach intensiver und anfangs kontroverser Diskussion der Aufnahme der Musikschule in die Vereinsförderrichtlinie der Stadt zugestimmt hat.   

Angesichts des städtischen Schuldenstands, des geplanten Großprojekts Feuerwehr und anderer notwendiger Investitionsvorhaben der kommenden Jahre drängt sich ihr wie auch anderen Bürgern die Frage auf, wie das alles bezahlt werden soll. Aus Gründen der Fairness möchte sie als „Ehemalige“ ihren Nachfolgern keine Ratschläge erteilen. Sie ist sich aber sicher, dass diese mit Sachkenntnis und Verantwortungsbewusstsein die richtigen Entscheidungen treffen werden.