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Letzte Aktualisierung: 18.01.2019

Brüder-Schönfeld-Forum übergibt Kulturdezernentin Dokumentation zum Gedenstein der Stadt Frankfurt in Kaunas

von Ilse Romahn

(14.12.2018) Seit April 2018 erinnert ein Gedenkstein in Kaunas, der zweitgrößten Stadt Litauens, an die während der NS-Diktatur aus Frankfurt deportierten und ermordeten Jüdinnen und Juden. Im April 2018 war eine Delegation aus Deutschland nach Kaunas gereist, um der Übergabe der Gedenktafel an die Öffentlichkeit beizuwohnen.

Herbert Begemann übergibt Dokumentation zur Gedenktafel der Stadt Frankfuin Kaunas an Ina Hartwig
Foto: Stadt Frankfurt / Kulturdezernat
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Neben einem Vertreter des Kulturamtes der Stadt Frankfurt gehörten der Delegation Ingrid Wettberg, Herbert Begemann und neun Schülerinnen und Schüler aus Gymnasien in Frankfurt, Darmstadt, Gießen und Hanau an. Nun übergab Herbert Begemann, Vorsitzender des Brüder-Schönfeld-Forums, eine Dokumentation an Kulturdezernentin Ina Hartwig.

„Die Einweihung einer Frankfurter Gedenktafel im über tausend Kilometer entfernten Kaunas war ein wichtiges Erinnerungsprojekt dieses Jahres. Ich bedanke mich für die umfangreiche Dokumentation, sie beleuchtet detailliert die Einweihung, die historischen Hintergründe und benennt alle 992 Opfer namentlich. Sie schlägt damit eine Brücke von Kaunas zurück nach Frankfurt“, so Hartwig bei der Übergabe im Kulturdezernat.

Nach dem Einmarsch in Litauen 1941 ermordeten die deutschen Besatzer in der Festungsanlage Fort IX bei Kaunas etwa 50.000 Menschen, unter ihnen 992 Jüdinnen und Juden aus Frankfurt. Sie wurden im November 1941 am Bahnhof der Frankfurter Großmarkthalle in Waggons gepfercht und nach Kaunas deportiert. Unter ihnen waren zahlreiche Menschen, die zuvor aus anderen Städten und Gemeinden vertrieben worden und in der Großstadt Frankfurt Zuflucht gesucht hatten. Die Gedenktafel verweist auch auf diese ursprünglichen Heimatorte. In der Dokumentation sind alle 39 Städte und Gemeinden sowie die zwei Landkreise aus den heutigen Bundesländern Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz genannt, die sich dem Gedenken in Kaunas offiziell anschlossen.

Die Initiative für die Gedenktafel kam von Ingrid Wettberg und Herbert Begemann vom Brüder-Schönfeld-Forum, das das Projekt in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturamt entscheidend vorantrieb. Der gemeinnützige Verein mit Sitz in Maintal trägt den Namen der beiden Brüder Horst und Gerhard Schönfeld aus Dörnigheim. Sie kamen im Alter von zehn und elf Jahren zusammen mit ihren Eltern in Kaunas ums Leben. (ffm)