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Letzte Aktualisierung: 13.11.2018

Bellini's "Norma" - Große Oper in Frankfurt

von Iris G. Schmidt

(20.06.2018) Das Werk des Sizilianers Vicenzo Bellinis demonstriert einzigartig den Begriff "Belcanto" in seinem Werk "Norma", im Dezember 1831 erstmalig in Mailand uraufgeführt und bis heute in hoher Qualität und außergewöhnlicher Schönheit der Melodien von Szene zu Szene und Arie musikalisch vielfältig variiert und die Nuancen des Textes und Gefühle feinsinnig mit einbezogen.

Das Libretto von Felice Romani beruht auf einem Drama von Louis Alexandre Soumet. Die hervorragende Besetzung der von Regisseur Christof Loy und Bühnenbildner Raimund Ofeo Voigt inszenierten Aufführung  u.a. mit Elza van den Heever in der Rolle der Norma, Stefano La Colla als Pollione und Gaelle Arquez als Adalgisa überzeugte in Qualität der Stimmen und Darstellungskunst sowie die  herausragende Leistung des Chors der Oper Frankfurt unter der Leitung von Tilman Michael.

Die Geschichte  spielt im ländlichen Gallien, etwa zu Zeiten Cäsars. Norma, die Hohe Priesterin Galliens, verliebt sich in den Anführer einer römischen Legion und hat mit ihm zwei Kinder, ohne dass Gallier oder Römer etwas bemerken. Jener Pollione, statt stolz auf sie zu sein, wird ihrer überdrüssig und will sie und die Kinder loswerden, wegen seiner übermächtigen "Liebe" zu einer Jüngeren, Adalgisa.  Norma zeigt sich  trotz aller Anfechtungen der Eifersucht und Verzweiflung  aber doch als eine starke und selbstbewusst agierende Persönlichkeit. Sie findet in der jüngeren Adalgisa ihr Ebenbild. Die in Duetten anrührend verbundene erkämpfte weibliche Solidarität münden in verbindender Partitur.  Beide Seiten rufen jeweils den einen Gott an, ihr Kriegsglück zu entscheiden, den es seinerzeit weder in der Römischen noch in der Gallischen Mytologie gab. Unter Preisgabe des Namens des begehrten Geliebten der Adalgisa, aber unaufrichtigen Pollione,  stürzt die Handlung in wechselndes Chaos mit dem Ausgang neuerwachter Liebe des untreuen Gattens zu seiner Norma - zu spät- da bleibt für ihn nur,  ihr in die brennende Glut des Scheiterhaufens zu folgen. Norma und Pollione gibt es wirklich, sie fühlen und die Zuschauer mit ihnen. Der innere Kosmos der beiden erreicht die Gefühle des Zuschauers, drängend, aufwühlend.

Regisseur Christoph Loy und Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt nähern sich diesem Konstrukt in einem neutralen kalten Bühnenraum, der die Stimmen von Chor und Solisten kühl-transparent überhöht, sie auf dem Weg zum Zuschauer bündelt. In einem Guckkasten-förmigen Rechteck mit glatten, holzartigen Wänden, aus der Mitte des Bühnenraums herausgeschnitten. Durch das einzige Fenster fällt kaltes Licht. Wie passt diese Sachlichkeit zu dem leidenschaftlichen Geschehen um Liebe, Leben und Tod? Aber am Ende des Abends ist klar: dem Publikum wurde mit Norma das berührende Erlebnis einer heute seltenen Gefühlstiefe geschenkt. Am Schluss gab es dafür Standing Ovations eines dankbaren, berührten Publikums.

Leider sind für dieses Jahr in der Oper Frankfurt alle Vorstellungen dieser Spielzeit ausverkauft. So bleibt nur zu hoffen, dass sich der grandiose Erfolg in der kommenden Spielzeit fortsetzt.