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Letzte Aktualisierung: 20.09.2019

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An der Naxoshalle wurden die Graffitis beseitigt

von Hermann Wygoda

(06.09.2019) Vor 13 Jahren hat der städtische Jugendclub in der Naxoshalle damit begonnen Jugendlichen das Graffity-Malen zu lehren. Seitdem werden im Hof hinter der Naxoshalle sehr viele und durchaus auch sehr gute Graffiti an eigens aufgestellten Containern oder auch an den Wänden der Halle gemalt.

Bildergalerie
Grafitti- Beseitigung an der Naxoshalle
Foto: H. Wygoda
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Die Graffiti in der Naxoshalle sind weit über die Bundesrepublik hinaus als große Kunstwerke bekannt
Foto: H. Wygoda
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Die Container wurden für die jungen Graffiti-Maler und Malerinnen aufgestellt, nachdem hinter der Naxoshalle ein großer Wohnungsblock von der ABG-Holding gebaut wurde. Davor konnten die Künstlerinnen und Künstler auch noch an den alten Fabrikgemäuern unter der Regie von bekannten Malern sich in ihren Maltechniken fortbilden.

Gerade an der Wand der Naxoshalle waren auch solche Graffiti zu sehen gewesen, die durchaus als erhaltenswert eingestuft und auch als Denkmal zu bezeichnet gewesen wären. Das aber, so scheint es jetzt, soll der Vergangenheit angehören. Denn das Dezernat für Bau und Immobilien (ABI) hat Arbeiter damit beauftragt, diese Graffiti zu entfernen. Auf unsere Anfrage hin hat der Sprecher des Dezernats, Günter Murr, erklärt, die Naxoshalle sei ein denkmalgeschützter Bau, „an dem dürfen keine Graffitis angebracht werden“. Man habe dies auch mit dem Denkmalschutz so besprochen.

Seit vielen Jahren konnten die Jugendlichen ohne Beanstandungen ihre Übungen ausprobieren. Nicht zuletzt durch die Kurse in der Naxoshalle kann sich Frankfurt über eine große Zahl heute in der ganzen Bundesrepublik und darüber hinaus anerkannter Graffiti-Maler rühmen. Da die Naxoshalle unter Denkmalschutz steht, haben sich auch das Landesamt für Denkmalpflege und das Denkmalamt der Stadt Frankfurt für die Vorgänge an der Naxoshalle interessiert.

Heinz Wionski, der beim Landesamt für Denkmalpflege für Frankfurt zuständig, wies auf Anfrage darauf hin, dass „Fassadenreinigungen denkmalgeschützter Gebäude in aller Regel grundsätzlich einer Genehmigung bedürfen. „Das ABI“,(Dezernat für Bau und Immobilien) unterstrich Wionski, "sei Anfang August in einem längeren Gespräch vor Ort darüber informiert worden, dass man darüber nachdenke ob die Graffiti nicht auch als Denkmäler zu werten seien." An diesem Gespräch habe auch der Architekt DW Dreysse, der die Sanierung der Naxoshalle verantwortet, teilgenommen

Auch der Leiter des Jugendclubs in der Naxoshalle, Stefan Mohr, zeigte sich bei unserer Anfrage überrascht davon, dass die Arbeiten mit der Beseitigung der Gemälde bereits begonnen wurden, bevor die Denkmalbehörden ihre Zustimmung gegeben haben. "Wir waren am Freitag total überrascht worden, als die Arbeiter mit der Beseitigung der Graffiti angefangen haben. Nach dem Gespräch mit den Denkmalschutzämtern wussten wir, dass über die Frage der Graffiti-Beseitigung noch kein abschließendes Urteil gefällt worden war.“

Kommentar
Man will es gar nicht glauben das ein stätisches Dezernat entgegen der Verabredung mit dem Landesamt für Denkmalschutz vollendete Tatsachen schafft, bevor die Diskussion über die Graffiti zu einem von allen Beteiligten zugestimmten Ergebnis gekommen ist. Frankfurt hat seit 2010 sich in ganz Europa für seine Graffiti-Künstler einen guten Namen erarbeitet. Selbst die EZB wusste um die Bedeutung der Graffitis und stellte Wände für die Maler an ihrem Bauzaun zur Verfügung. Der Erfolg bestätigte diese Einschätzung weltweit: Denn die Gemälde aus Frankfurt am Main erschienen während der Bauzeit der beiden Türme in praktisch allen wichtigen Medien rund um die Welt.