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Letzte Aktualisierung: 22.10.2019

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‚Der Ansatz könnte kaum aktueller sein!‘

OB Feldmann gratuliert dem Erzeugermarkt auf der ‚Konsti‘ zum 30. Geburtstag

von Ilse Romahn

(07.10.2019) Die Idee war simpel und genial: Erzeuger aus Vogelsberg, Wetterau & Co. sollen die von ihnen hergestellten Lebensmittel an der Konstablerwache an die Städter verkaufen. Doch der Weg dahin war steinig, denn Stadtverwaltung und Bauernverband sperrten sich zunächst.

Markus Frank, Peter Feldmann, Feyza Morgül, Weinkönigin Celine Feldmann
Foto: Stadt Frankfurt / Rainer Rüffer
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Am 3. Oktober feierte der Erzeugermarkt an der „Konsti“ sein 30. Bestehen. Oberbürgermeister Peter Feldmann ließ es sich nicht nehmen, auf dem Fest vorbei zu schauen und persönlich zu gratulieren.

Zwei Jahre vor dem ersten offiziellen Markttag im September 1989 begann die Idee Fahrt aufzunehmen, die angesichts der aktuellen Umweltdebatte nichts an Aktualität verloren hat. Deren Geschichte ist kurz erzählt: Im Frühling 1987 war die im Bayerischen Wald aufgewachsene junge Ingenieurin für Landschaftsökologie Thekla Kolbeck aus Kassel nach Frankfurt gezogen. Bauersleute, die erntefrisches Gemüse und hausgemachte Wurst verkaufen - wie sie es gewohnt war – gab es an ihrem neuen Wohnort nicht. Doch zu Fabrikware aus dem Supermarkt-Regal wollte sie nicht greifen. Kolbeck und ihr Lebensgefährte gründeten eine Bürgerinitiative für einen Erzeugermarkt in der Innenstadt. Man traf sich im Rotlintcafé im Nordend, wo auch sonst, heißt es im „Konsti-Buch“ von Ulrich Gehring.

Mit dabei waren nicht nur engagierte Bewohner der Stadt, sondern auch Landwirte aus dem Umland, die nicht mehr industriell anbauen und nur für Lebensmittelkonzerne arbeiten wollten. Ortsbeirat und Stadtverordnetenversammlung unterstützten die Initiative. Doch das für die Marktbetriebe zuständige Dezernat in der Stadtverwaltung war wenig begeistert. Es wollte den Platz lieber für Veranstaltungen wie das Traumtheater Salome frei lassen. Auch könne man „die Goldgrube Konstabler Wache nicht den Bauern und Gärtnern überlassen“, zitiert die Initiative in einem Rundschreiben vom Dezember 1987 einen Dezernatsmitarbeiter. Auch hatte man in der Verwaltung Angst, die umliegenden Geschäfte könnten unter der Konkurrenz leiden.

Doch zwei Jahre später drehte sich der Wind. Im Römer schickte sich 1989 eine rot-grüne Koalition an, die Regierungsgeschäfte zu übernähmen. Der zukünftige Oberbürgermeister Volker Hauff lud Kolbeck zu den Koalitionsgesprächen und der wöchentliche Direktverkauf in der Innenstadt war beschlossene Sache. „Am 16. September eröffnete der damalige Umweltdezernent Tom Koenigs den Erzeugermarkt auf der ‚Konsti‘. Ein Motiv damals: Den Umweltschutz mit dem Einkaufskorb zu ermöglichen“, erinnerte sich Oberbürgermeister Feldmann auf der Geburtstagsfeier.

Mittlerweile hat sich der Erzeugermarkt zu einem der Größten seiner Art im Rhein-Main-Gebiet gemausert. Die Kundschaft kommt aus dem ganzen Umland, wie es von der HFM Managementgesellschaft für Hafen und Markt heißt. „An Orten wie diesen ist Frankfurt, wie ich es mag: offen, herzlich und großzügig. Hier trifft alles aufeinander: Berufstätige, Schoppe petzende Rentner, Bratwurstfans, Punks, Gourmets und Eintracht-Fans vor dem Heimspiel“, beschreibt der Oberbürgermeister die Atmosphäre auf dem Marktplatz und stellt den Bezug zur momentanen Ökologie-Debatte her: „Der Ansatz der Erzeugermarkt-Initiatoren könnte kaum aktueller sein!“ (ffm)