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Letzte Aktualisierung: 22.02.2019

‚Bewegte Zeiten‘ – Höhepunkte der Frankfurter Archäologie im Martin-Gropius-Bau Berlin

von Ilse Romahn

(24.01.2019) Die antiken Kulturschätze sind zurück in Frankfurt am Main: Vom 21. September 2018 bis zum 6. Januar 2019 bewunderten über 100.000 Besucher in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Berliner Martin-Gropius-Bau auch spektakuläre Neufunde aus Frankfurt.

Bildergalerie
Bronzestatuette der Göttin Diana, 2./3. Jahrhundert n. Chr., Exponat der Ausstellung 'Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland' in Berlin
Foto: Stadt Frankfurt / Archäologisches Museum / S. Martins
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Silberner Fingerring mit Gemme, 2./3. Jahrhundert n. Chr., Exponat der Ausstellung 'Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland' in Berlin
Foto: Stadt Frankfurt / Archäologisches Museum / B. Schwan
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Die Objekte trafen inzwischen wieder im Archäologischen Museum Frankfurt ein, wo sie zukünftig ausgestellt werden sollen. In Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt der Stadt Frankfurt hatte das Museum in der Bundeshauptstadt Funde aus dem in den Jahren 2016–2018 ausgegrabenen zentralen Heiligtum der römischen Stadt Nida, auf dem Gebiet des heutigen Heddernheim, präsentiert. Die Entdeckung dieses über 3.500 Quadratmeter großen ummauerten Kultbezirks mit kleinen Kapellen und Tempeln im Zentrum der antiken Siedlung ist eine der herausragenden Entdeckungen der Stadtarchäologie in den letzten Jahren. Die Tatsache, dass dieses Projekt als eines von nur insgesamt neun aus Hessen in Berlin vorgestellt wurde, unterstreicht seine Bedeutung.

Die im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 konzipierte Berliner Sonderausstellung präsentierte spektakuläre Funde und Forschungsergebnisse der letzten 20 Jahre aus allen Bundesländern. Unter den rund 1000 hochrangigen Exponaten von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert erwartete die Museumsbesucherinnen und -besucher im Themenbereich „Innovation“ nicht nur ein großformatiges Luftbild der Frankfurter Ausgrabungsstätte. In einer Tischvitrine sahen sie zudem herausragende Funde aus den Grabungen, darunter die Bronzestatuetten der Göttin Diana und eines Adlers, einen Gemmenring aus Silber sowie den Sockel eines am 9. September 246 n. Chr. dem Gott Merkur geweihten Kultbildes. Ein besonders gewichtiges Exponat musste an der Wand befestigt werden: die Lackprofile von zwei der über 100 Kultgruben aus dem Heiligtum, in denen man die Überreste von religiösen Opfern deponiert hatte. Für die Herstellung der zusammen rund 4,50 Meter langen Profile entnahm man direkt auf der Grabungsstelle Teile der Befunde. Sowohl die Einfüllung der Gruben als auch die darin enthaltenen Fundstücke wurden dabei in ihrem Zustand aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. unverändert konserviert. Scherben von Keramikgefäßen sind ebenso zu erkennen wie zahlreiche Tierknochen oder eine kleine Lanzenspitze.

Die wissenschaftliche Bearbeitung der mittlerweile abgeschlossenen Grabungen im Kultbezirk wird im Rahmen eines großen Forschungsprojektes erfolgen. Kooperationspartner des Museums und des Denkmalamtes sind bislang die Goethe-Universität Frankfurt sowie die Universität Basel. Die Aufarbeitung der Ergebnisse verspricht nicht nur grundlegende Erkenntnisse zur Geschichte und Struktur der ältesten städtischen Siedlung auf Frankfurter Boden. Sie liefert zudem Einblicke in den Aufbau und die Organisation eines Kultbezirkes in einer städtischen Siedlung der Nordprovinzen des Imperium Romanum, die weit über die Region hinaus von großer Bedeutung sein werden. (ffm)