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Letzte Aktualisierung: 21.08.2017

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"Hessen idealer Brückenkopf in die EU"

Studie beleuchtet Folgen des Brexit

von: Ilse Romahn

(21.04.2017) Hessen will die engen Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien auch nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs aufrechterhalten. „Hessen will Brücken bauen“, sagte Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir am Mittwoch auf einer gemeinsamen Veranstaltung des Wirtschaftsministeriums und der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. „Wir bedauern den Brexit, aber wir werden britische, hessische und internationale Unternehmen dabei unterstützen, die Situation als Chance für neue Kooperationen und Investitionen zu nutzen.“

„Großbritannien ist aktuell der drittwichtigste Absatzmarkt für hessische Unternehmen und wird für sie auch künftig wichtig bleiben. Umso wichtiger ist es, dass über die Modalitäten der künftigen Handelsbeziehungen zu Großbritannien möglichst rasch Klarheit geschaffen wird“, forderte Prof. Dr. Mathias Müller, Präsident der IHK Frankfurt.

Großbritannien ist Hessens drittwichtigster Exportmarkt, wie aus einer am Mittwoch vorgestellten Studie der Hessen Agentur hervorgeht. Auch bei den ausländischen Direktinvestitionen in Hessen liegen britische Unternehmen auf Platz drei. Mehr als 350 britische Firmen der Realwirtschaft unterhalten Standorte in Hessen.

„Das Vereinigte Königreich liegt künftig außerhalb der EU, Hessen aber weiterhin in ihrem Mittelpunkt“, erläuterte Al-Wazir. „Schon jetzt suchen internationale Unternehmen, die ihr Europageschäft bislang von Großbritannien aus betrieben haben, nach neuen Standorten. Mit seiner zentralen Lage, seiner Wirtschaftsstärke, seinen hochqualifizierten Beschäftigten und seiner erstklassigen Verkehrserschließung bietet sich unser Bundesland als Brückenkopf in den europäischen Binnenmarkt an. Und wir warten nicht, bis jemand kommt, sondern wir werben aktiv für unseren Standort.“

Als Beispiele nannte Al-Wazir Delegationsreisen nach New York, Tokio und Seoul, die Einrichtung einer gemeinsamen Brexit-Arbeitsgruppe mit den regionalen Wirtschaftsförderern und Informationsveranstaltungen für hessische Unternehmen. In diesem Jahr sind weitere Delegationsreisen nach London, Hongkong und Singapur geplant sowie Standortseminare in Birmingham und Leeds. Auch der 4. Hessische Außenwirtschaftstag in der IHK Frankfurt wird sich am 20. Juni unter anderem dem Thema Brexit widmen. „Wir tun zusammen mit unseren Partnern das, was die hessischen Unternehmen zu Recht von der Landesregierung erwarten: wir informieren, wir beraten, und wir betreiben intensives Standortmarketing.“

Für die Studie „Hessen und der Brexit“ waren rund 4100 hessische Unternehmen befragt worden. Rund 60 Prozent der Teilnehmer halten es für wahrscheinlich, dass sich Hessen für ausländische Unternehmen zukünftig noch stärker als Brückenkopf in die EU positionieren kann, fast alle erwarten, dass der Finanzplatz Frankfurt profitieren wird.

Fast die Hälfte äußert jedoch auch Sorge um die eigenen Geschäftsbeziehungen nach Großbritannien, besonders wegen drohender Handelsbarrieren und der Einschränkung der Arbeitnehmerfreizügigkeit. „Die Studie zeigt, dass die Unternehmen im Handel mit dem Vereinigten Königreich zwar Erschwernisse erwarten, die sich negativ auf ihren Ex- und Import auswirken. Von einer regelrechten Panik kann jedoch nicht die Rede sein“, sagt Anja Gauler, Abteilungsleiterin Wirtschaftsforschung und Landesentwicklung bei der Hessen Agentur.