Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 22.02.2019

"Geschädigt statt geheilt" - Beispiele von Medizinskandalen

von Ilse Romahn

(11.02.2019) Das Buch mit dem Titel „Geschädigt statt geheilt“ versammelt prominente Beispiele von Medizinskandalen und verbindet sachliche Bestandsaufnahme mit pointierter Aufklärung.

Buchtitel "Geschädigt statt geheilt"
Foto: S. Hirzel Verlag (SHV)
***

Medikamentenpfusch, Kunstfehler, Geschäfte mit Transplantationen: Wenn Ärzte und Pharmaunternehmen medizinische und ethische Standards überschreiten, hat das oftmals schwerwiegende Konsequenzen für Patienten. Die Autoren Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt thematisieren in dem Buch „Geschädigt statt geheilt“ das brisante Feld medizinischer Fehlleistungen. 

In der öffentlichen Wahrnehmung zählt die Contergan-Affäre mit allein 5000 Betroffenen in Deutschland zu den bekanntesten Skandalfällen. „Sündenfall eines naiv-sorglosen Umgangs mit Arzneimitteln“, so stuft der Pharmakologe Prof. Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen die Ereignisse rund um das Schlafmittel mit dem Wirkstoff Thalidomid ein. Von 1957 bis 1961 war das Präparat nach unzureichender Testphase auf dem Markt und hatte bei einer hohen Zahl von Schwangeren zu schweren Kindesmissbildungen geführt. Der Prozess gegen die Firma Chemie Grünenthal wurde 1970 eingestellt, keiner der Angeklagten wurde verurteilt.

Indem die Autoren tief in die Chronologie der jeweiligen Fälle eintauchen, machen sie Kausalitäten und Verflechtungen von Interessenslagen sichtbar. Was die Skandale oftmals eint, ist das Ringen der Geschädigten um Schadensersatz und Klärung von Schuldfragen. Wie bei tausenden Blutern, die Anfang der 1980er Jahre mit Hepatitis- und HIV-Erregern verseuchte Gerinnungsmittel verabreicht bekamen. Die Aufarbeitung beschäftigte noch Jahre später einen Untersuchungsausschuss des Bundestages, bis heute der einzige im medizinischen Bereich.

Der informative Übersichtsband präsentiert insgesamt 16 Fälle aus der Medizingeschichte, die medial und juristisch Kreise zogen. Darunter auch „Anti-D“, der größte Medizinskandal der DDR mit massenhaften Hepatitiserkrankungen, der von den Verantwortlichen vertuscht worden war und nach der Wiedervereinigung nach hartnäckigen Protesten mehr Aufklärung fand.

Bibliografie
Eckart Roloff/Karin Henke-Wendt
Geschädigt statt geheilt    
Große deutsche Medizin- und Pharmaskandale
erschienen im S. Hirzel Verlag,  ISBN 978-3-7776-2763-2, € 22,00

Über die Autoren
Dr. Eckart Roloff ist Medizinjournalist und war 20 Jahre lang Leiter des Wissenschaftsressorts einer Wochenzeitung. Lehraufträge an Journalistenschulen gehören zu seinem beruflichen Spektrum ebenso wie Veröffentlichungen als Autor und Herausgeber.

Dr. Karin Henke-Wendt ist Biologin, Fachredakteurin und Wissenschaftsjournalistin in den Bereichen Radioonkologie, Gynäkologie und ganzheitliche Medizin. Bücher zu medizinischen Themen, Patienten- und Imagebroschüren prägen ihr Profil als Autorin.

http://literaturtest.de

Über den Verlag
Der S. Hirzel Verlag (SHV) wurde 1853 von Salomon Hirzel in Leipzig gegründet und war von Anfang an eng mit der Herausgabe des Deutschen Wörterbuches von Jacob und Wilhelm Grimm verbunden; dessen Neubearbeitungen erscheinen heute noch im S. Hirzel Verlag, ebenso wie weitere germanistische Standardwerke und Titel. Außerdem veröffentlicht der Verlag wissenschaftliche Werke, vor allem auf den Gebieten der Chemie, Physik und Philosophie, sowie Sachbücher mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt und Gesundheitsratgeber. Bei Hirzel erscheinen u.a. die Zeitschriften Acta Acustica united with Acustica (The Journal of the European Acoustics Association),  ZfDA - Zeitschrift für Deutsches Altertum und Deutsche Literatur und das Literaturblatt Baden-Württemberg. Der Verlagssitz ist in Stuttgart.