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Letzte Aktualisierung: 18.12.2018

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„Schöner kann man die Brüder Grimm kaum ehren“

Hanaus Märchenbotschafterin Marie-Luise Marjan ist begeistert von den Festspielen

von Ilse Romahn

(18.07.2018) So oft waren die Hanauer Brüder Grimm Festspiele wohl noch nie bundesweit in den Medien vertreten. Hauptgrund ist die in diesem Jahr erstmals als „Märchenbotschafterin“ auftretende Marie-Luise Marjan, die insbesondere durch ihre Fernsehrolle als „Mutter Beimer“ zu den beliebtesten und bekanntesten deutschen Schauspielerinnen gehört.

Bildergalerie
Märchenbotschafterin Marie-Luise Marjan vor dem Nationaldenkmal der Brüder Grimm auf dem Hanauer Marktplatz
Foto: Metropress
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Verstand sich prächtig mit den Schauspielern: Märchenbotschafterin Marie-Luise Marjan mit dem Ensemble des „Froschkönigs“.
Foto: Metropress
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Bundesweit berichteten die Medien über das „märchenhafte Engagement“ der Künstlerin. Der wiederum hat dieser Einsatz sehr gefallen und sie hat die Brüder Grimm Festspiele sowie die Stadt Hanau kennen und schätzen gelernt, wie sie jetzt in einem Interview erklärte.


Marie-Luise Marjan, wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Rolle als Märchenbotschafterin der Stadt Hanau?
Ich bin nicht nur zufrieden, sondern begeistert. Der Einsatz als Märchenbotschafterin macht mir großen Spaß.

Von Flensburg bis Füssen, selbst in Österreich wurde über ihren Einsatz und damit über die Brüder Grimm Festspiele und Hanau berichtet. Hätten Sie mit einer derartigen Resonanz gerechnet?
Ehrlich gesagt, nein. Aber es zeigt, dass das Konzept der Stadt voll aufgegangen ist: Meine Bekanntheit mit den Festspielen zu verbinden. Da ich ein Märchenfan bin, freut es mich, so zum Erhalt dieses wichtigen Kulturgutes beizutragen und die beeindruckenden Bemühungen Hanaus zu unterstützen. Als junge Schauspielerin habe ich schon gern Märchen gespielt, etwa zur Weihnachtszeit. Und ich habe auch zahlreiche Hörbücher eingesprochen, insbesondere mit Märchen der Brüder Grimm. Das Thema begleitet mich also mein ganzes Leben lang.

Sie haben die Festspiele erstmals erlebt. Wie ist ihr Eindruck?
Das Nationaldenkmal der Brüder Grimm auf dem Marktplatz ist beeindruckend und eine tolle Würdigung für Hanaus große Söhne. Mit den Festspielen werden die Brüder Grimm aber quasi vom Sockel geholt und mitten ins Leben gebracht. Schöner kann man die Brüder Grimm wohl kaum ehren. Ich denke, wenn die Zwei das heute erleben könnten, wären sie wahrscheinlich Dauer-Gäste im Amphitheater.

Wie haben Ihnen die Stücke gefallen?
Die Inszenierungen sind wunderbar, spritzig, voller Ideen, bieten beste Theaterunterhaltung und regen oftmals zum Nachdenken an. Die Idee, stets Uraufführungen zu bieten und die bekannten Märchen neu zu interpretieren, ist großartig. Da hat Hanau zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal. Das wandelbare Bühnenbild ist beeindruckend und die Masken und Kostüme so ideenreich und wunderschön.

Und wie fanden Sie ihre Schauspielerkollegen?
Das Ensemble ist eine perfekte Mischung aus erfahrenen und jungen Schauspielern. Ihnen merkt man die Leidenschaft und vor allem die unbändige Spielfreude an. Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass hier auf einem professionell so hohen Niveau gespielt wird. Intendant Frank-Lorenz Engel, mit dem ich mich auf Anhieb gut verstanden und mehrere Gespräche geführt habe, beweist hier zweifellos eine glückliche Hand bei der Besetzung, der Auswahl der Stücke, der Autoren und der Kreativteams.

Was war bisher ihr schönstes Erlebnis bei den Festspielen?
Ach da gibt es so viele, das kann man gar nicht alles aufzählen. Nur ein Beispiel: Ich wollte unbedingt eine Jugendvorstellung besuchen. Bei einer Schülervorstellung des „Froschkönigs“ habe ich mich köstlich amüsiert, nicht nur über das tolle Geschehen auf der Bühne, sondern auch über die Kinder im Rund des Amphitheaters. Die gingen voll mit, spielten selbst und mischten sich ins Geschehen ein – das war herrlich. Als der Prinz die Prinzessin fragte, ob sie ihn heiraten wolle, riefen die Kinder lautstark „Sag ja, nimm ihn!“ Das war wunderbar, ich habe mich köstlich amüsiert.

Und wie gefallen ihnen Hanau und die Hanauer?
Von Oberbürgermeister Claus Kaminsky über die Schauspieler und den Intendanten bis zu Lindenstraßenfans, die ein Selfie machen wollten, bin ich sehr, sehr herzlich aufgenommen worden. Die Hanauerinnen und Hanauer habe ich als offene und freundliche Menschen kennengelernt, die keine Berührungsängste haben, aber auch nicht aufdringlich sind. Die Stadt selbst hat natürlich Narben aus dem Krieg und beim schnellen Wiederaufbau in der Nachkriegszeit ist vielleicht auch nicht alles gelungen. Aber ich kenne das, schließlich bin ich ein Kind des Ruhrgebietes. Meine langjährigen Freunde von der Agentur metropress, Jörg, Hans-Jürgen und Barbara Müller, haben mir Hanau näher gebracht. Das prächtige Schloss Philippsruhe, Wilhelmsbad mit seinem herrlichen Park und dem sagenhaften Karussell, – das ist alles wunderschön. Das neue Zentrum am Freiheitsplatz lädt zum Verweilen ein. Und wir sind über den wunderbaren Wochenmarkt gebummelt. Frisches Obst und Gemüse aus der Region in bester Qualität – und das alles unter den Augen der Brüder Grimm – herrlich! Hanau muss sich wirklich nicht verstecken.

Neben ihrer schauspielerischen Tätigkeit engagieren sie sich in vielen Bereichen. Als UNICEF-Botschafterin, bei Plan International und mit Ihrer eigenen Marie-Luise-Marjan-Stiftung setzen Sie sich für benachteiligte Kinder ein. Wie schaffen Sie das alles?
Das hat sicherlich etwas mit Disziplin zu tun, die nun einmal Grundvoraussetzung für den Beruf des Schauspielers ist. Aber vor allem macht es mir Freude, sich für eine gute Sache und für diejenigen einzusetzen, denen es nicht so gut geht.

Was geben Sie den Hanauern mit auf den Weg?
Ich drücke ihnen die Daumen, dass sich ihre Stadt weiterhin so positiv entwickelt wie bisher. Und ich hoffe, dass die Hanauerinnen und Hanauer den Brüdern Grimm und den Märchen treu bleiben. Das ist in unserer heutigen - oftmals so hektischen - Zeit wichtiger denn je. Es gilt das, was ich als Motto über meine Tätigkeit als Märchenbotschafterin gestellt habe: „Märchen vermitteln uns Werte und sie geben uns die Hoffnung, das am Ende das Gute siegt“.


Marie-Luise Marjan wurde nach einer beeindruckenden Theater- und Filmkarriere durch ihre Rolle als „Mutter Beimer“ im der TV-Klassikerserie „Lindenstraße“ zu einer der beliebtesten und bekanntesten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum. Am Freitag, 20. Juli ist sie Gast in der Talkshow „Tietjen&Bommes“ (22.00 Uhr, HR-Fernsehen).

Brüder Grimm Festspiele
Mit den Brüder Grimm Festspielen ehrt die Stadt Hanau die deutschen Märchensammler und Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm, die in Hanau geboren wurden. Jedes Jahr locken die preisgekrönten Festspiele über 70.000 Besucher an. In diesem Jahr finden die 34. Festspiele mit den Stücken „Dornröschen“, „Der Froschkönig“, „Die Prinzessin auf der Erbse“ sowie „Der Brandner Kasper“ und „Die Leiden des Jungen Werther“ vom 11. Mai bis 29. Juli 2018 statt.

Weitere Informationen über die Brüder Grimm Festspiele gibt es unter www.festspiele.hanau.de im Internet. Tickets gibt es im Hanau Laden am Freiheitsplatz, an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie im Internet unter www.frankfurt-ticket.de oder auch unter der Telefonnummer (069)1340400.