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Letzte Aktualisierung: 21.11.2019

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„Mythos van Gogh“ im Städel-Museum

Geschichte einer deutschen Liebe

von Karl-Heinz Stier

(22.10.2019) Mit 50 zentralen Arbeiten ist es die umfangreichste Präsentation von Werken des Malers Vincent van Gogh (1853 – 1890) seit fast 20 Jahren in Deutschland. Im Zentrum steht bis 16. Februar die Entstehung des „Mythos von Gogh um 1900 sowie die Bedeutung seiner Kunst für die Moderne in Deutschland.

Bildergalerie
Selbstbildnis van Gogh Aufkauf Städel
Foto: Karl-Heinz Stier
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Aufkauf Bauernhaus(1885)
Foto: Karl-Heinz Stier
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Aufkauf Kartoffelpflanzerin (1885)
Foto: Karl-Heinz Stier
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Rahmen ohne Bild von Dr. Gachet (1890)
Foto: Karl-Heinz Stier
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Dr. Gachet als Repro
Foto: Karl-Heinz Stier
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Auskunftspersonen (v.l.n.r.): Karl-Heinz Heuer, Sylvia von Metzler, Philipp Demandt, Alexander Eiling, Felix Krämer
Foto: Karl-Heinz Stier
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„Making van Gogh“ - wie die Ausstellung in ihrem Titel heißt – thematisiert die besondere Rolle, die Galeristen, Museen, Privatsammler und Kunstkritiker im Deutschland des frühen 20. Jahrhunderts für die die posthume Rezeption van Goghs als „Vater der Moderne“ eine Rolle spielte. Erst knapp 15 Jahre nach seinem Tod wurde der niederländische Künstler hierzulande als einer der    bedeutendsten Vorreiter der modernen Malerei wahrgenommen. Van Goghs Leben und Schaffen stießen allerdings in der Öffentlichkeit auf breites und anhaltendes Interesse. Ungewöhnlich früh wurde seine Kunst in Deutschland gesammelt. Bereits 1914 befanden sich 150 seiner Werke in deutschen privaten und öffentlichen Sammlungen. Zeitgleich haben sich die jungen Expressionisten mit seiner Malerei auseinandergesetzt und van Gogh zum Vorbild und zur maßgeblichen Inspirationsquelle genommen.

Die Erfolgsgeschichte van Goghs ist eng mit dem Städel verbunden. Als eines der ersten Museen erwarb das Frankfurter Museum für den Aufbau einer modernen Kunstsammlung durch den Städelschen Museums-Verein 1908 das Gemälde Bauernhaus in Nuenen (1885) und die Zeichnung Kartoffelpflanzerin (1885). Drei Jahre später  gelangte eines der berühmtesten Gemälde van Goghs in das Museum: das Bildnis des Dr. Gachet (1890), das zum Aushängeschild des Museums wurde. Dieses letzte von van Gogh gemalte Portrait markierte die Schnittstelle zwischen der Kunst des 19. Jahrhunderts und der klassischen Moderne.

1937 wurde das Gemälde von den Nazis beschlagnahmt und gegen Devisen auf dem internationalen Kunstmarkt verkauft – in den Niederlanden und den USA 1990. Auf einer Aktion in New York ging es als seinerseits teuerstes Werk der Geschichte an einem Privatmann und ist für die Öffentlichkeit unzugänglich. Die Städel-Ausstellung zeigt den leeren Bilderrahmen, der sich bis heute im Depot des Museums befindet. So wird lediglich noch eine Reproduktion gezeigt.

Einfluss und Wirkung van Goghs auf die nachfolgende Generation veranschaulichen in der Ausstellung mit den drei Schwerpunkten Mythos, Wirkung und Malweise 70 Werke von deutschen Künstlerinnen und Künstlern, darunter bekannte Namen wie Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Alexej von Jawlensky, Wassely Kandisky, Paula Modersohn-Becker oder Gabriele Münter als auch wiederzuentdeckende Positionen etwa von Peter August Böckstiegel, Theo von Bruckhusen, Heinrich Nauen oder Elsa Tischner-von Durant.

„Heute mag die Begeisterung für Vincent van Gogh ein fast globales Phänomen sein, vor mehr als einhundert Jahren sah das noch anders aus, viele von ihnen waren jüdischer Herkunft, die sich für van Goghs Malerei begeisterten und diese schließlich auch gegen nationalsozialistische Tendenzen und politische Instrumentalisierung verteidigten“, so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums. Sylvia von Metzler, die Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins, wies darauf hin, dass „ohne die progressive Sammlerpersönlichkeiten in der Stadt, die Bürgerschaft und die den Frankfurter eigene Offenheit gegenüber neuen künstlerischen Strömungen das Städel nicht das, was es heute ist“.

Kurator Alexander Eiling hob Begeisterung von van Goghs Anhänger für den pastosen Farbauftrag, den rhythmischen Pinselduktus, dem Kontrastreichtum der Farben, den kühnen Kompositionen und Motiven sowie den ornamental schwingenden Zeichnungen hervor. „Vor allem die persönliche Wahrnehmung der Natur und deren antiakademische Wiedergabe spielten eine entscheidende Rolle“. Schließlich Felix Krämer, ebenfalls Kurator der Ausstellung, meinte: „Ohne van Gogh wäre die deutsche Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts vollkommen anders verlaufen. Künstlergruppen wie Die Brücke oder Der Blaue Reiter haben ihre wesentlichen Impulse den Bildern van Goghs zu verdanken“.

Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So und Feiertage 10 bis 19 Uhr, Do und Fr 10 bis 21 Uhr.

Eintrittspreise: Sa, So und Feiertage 18 Euro, ermäßigt 16 Euro, Di bis Fr 16 Euro, ermäßigt 14 Euro,  Familienkarte 30 Euro, freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren.

Weitere Einzelheiten und den Umfang des Rahmenprogramms unter (069)605098-200 und www.staedelmuseum.de