Das Online-Gesellschaftsmagazin aus Frankfurt am Main

Letzte Aktualisierung: 17.07.2019

Werbung

„Mit vorzüglicher Hochachtung!“

Prominente Zeitgenossen korrespondierten mit Stoltze

von Karl-Heinz Stier

(29.04.2019) Es ist die erste Sonderausstellung, die das Stoltze-Museum in der neuen Frankfurter Altstadt am Markt 7 noch vor der offiziellen Einweihung dem Frankfurter Mundartdichter und Satiriker gewidmet hat: Unter dem Titel „mit vorzüglicher Hochachtung“ wird aus 25 Briefen zitiert, die damalige bekannte Personen an Stoltze und seine Familie geschrieben haben.

Bildergalerie
Jugendbildnis von Friedrich Stoltze
Foto: Karl-Heinz Stier
***
„Hausherrin“ Petra Breitkreuz bei der Begrüßung der Gäste
Foto: Karl-Heinz Stier
***
Michael Quast liest Kostproben aus den Briefen vor
Foto: Karl-Heinz Stier
***
Ausschnitt aus der Ausstellung
Foto: Karl-Heinz Stier
***
Brief des Reichtagsabgeordneten Sonnemann an Stoltze
Foto: Karl-Heinz Stier
***

Aus den Briefen geht hervor, wie  groß die Wertschätzung Stoltze zu seinen Lebzeiten, wie beliebt bei seinen Lesern, wie respektiert er als Demokrat und Republikaner und welch ein gefragter Ratgeber er war.

Friedrich Stoltze hat insgesamt 654 eigene und an ihn gerichtete Schreiben hinterlassen. Nach Mitteilung von Petra Breitkreuz, die für das neue Museum verantwortlich zeichnet, werden die Originale in der Handschriften-Sammlung der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg aufbewahrt. Mit finanzieller Unterstützung der Frankfurter Sparkasse wurden sie zwischenzeitlich digitalisiert.

Kostproben aus den Korrespondenzen hat der Schauspieler und Stoltze-Interpret Michael Quast vorgetragen, der mittlerweile als Intendant des  Volkstheaters in das Gebäude mit dem Cantate-Saal in den Großen Hirschgraben eingezogen ist. So freute sich unter anderem der Königsteiner „Kaltwasserdoktor“ Georg Pingler in einem Brief im März 1872, dass nach dem Verbot des satirischen Wochenblattes „Frankfurter Latern“, von Stoltze herausgegebenen, dies nun wieder regelmäßig erschienen sei: „Gott sey Dank, dass die Latern wieder leuchten darf; ich fürchte nicht, dass es ihr an Oel fehlt, doch aber dass sie leicht ausgeblasen werden kann. Ich will diese Blätter für ein Jahr beziehen & überlasse es Ihnen zu bestimmen, ob es durch die Post oder durch Boten geschehen soll. Ich werde auch dafür sorgen, dass H. Pfaff sich abonire & H. Kohn-Speier. Schicken sie denselben ein Probeblatt zu. Wir hatten im vergangenen Jahr 1100 Fremde & warten in diesem eine gute Cur. Hoffentlich werden wir Sie bald einmal hier sehen“.

Auch dem Schriftsteller und Revolutionär Albert Dulk, der 1879 für 14 Monaten wegen Kritik an Bismarcks Steuerpolitik und Kirchenschmähung in Heilbronn einsaß, diente Stoltzes Frankfurter Latern als Trost. So schreibt er im Dezember 1879: „Du hast mir und Dir gutgetan mit der getreulichen Spedition hierher und mehr als dies persönliche Moment freut mich’s, Dich überhaupt mit so rüstiger unerschöpflicher Kraft trotz der heillosen Nervenanspannung fortarbeiten zu sehen. Möge Dir auch das Neue Jahr diese Gunst bringen!“

Nicht nur unter armen und verfolgten Schriftstellerkollegen hatte Stoltze seine Fans, auch der Adel, der in der Frankfurter Latern meist gar nicht gut wegkam, bekannte sich als Stolze-Leser. So wie Bruno Fürst von Ysenburg aus Büdingen, der Stoltze 1878 drängte zu einer Fortsetzung der unter dem Titel „Polen und Studenten“ erschienenen Biedermeier-Geschichten von Liebe und Politik: „Ich darf mir wohl die Frage erlauben ob die Geschichte bald fortgesetzt wird. Könnten Sie diese Erzählung nicht in besonderem Abdruck erscheinen lassen?“

Mit dem Mediziner und Struwwelpeter-Autor Heinrich Hoffmann war Stoltze gut bekannt. Beide waren Nachbarn im Grüneburgweg.1883 bedankte sich Hoffmann sehr herzlich für Stoltzes literarischen Gruß zu seinem 50jährigen Doktorjubiläum in der Frankfurter Latern: „Ich brauche mich nicht weiter auseinander zu setzen, wie sehr mich die launigen Gratulationstürme im Bilde und besonders Ihre herzigen Worte erfreut haben. Es ist ein seltenes Glück im hohen Alter, am Ende einer langjährigen und nicht arbeitsarmen Laufbahn, so viele Beweise von Liebe und freundlicher Anerkennung zu erfahren. Nichts, was mir noch bevorstehen mag, wird diese Erinnerung und diese Freude mir stören können. Auch Sie haben ein wesentliches dazu beigetragen. Ich danke Ihnen auf’s Wärmste.“

Friedrich Stoltze und der Reichtags-Abgeordnete Leopold Sonnemann verband ebenfalls ihre demokratische Gesinnung. Beide waren Freunde und so konnte auch Sonnemann so offen über B wie Bismarck schreiben: „Hier in Berlin ist es untröstlich. Die Debatten werden namentlich von B. niemals mehr sachlich geführt, sondern bestehen meist aus persönlichen Anschuldigungen. Am letzten Sonntag hat sich B ungescheut als Haupt der Antisemiten entpuppt. Dies wird ohne Zweifel neues Öl ins Feuer gießen. Ich bleibe allen diesen Zuständen gegenüber sehr kühl und suche in bescheidener Weise meine Schuldigkeit zu thun- freue mich sehr wieder auf 14 Tage nach Hause zu kommen“.

Stoltze setzte sich im Wahlkampf für den Stadtverordneten und Abgeordneten der Deutschen Volkspartei ein. Er verbrachte seine letzten 18 Lebensjahre als zahlender Mieter in Sonnemanns im Gartenhaus im Grüneburgweg 128. Darauf legten beide gleichermaßen Wert.

Die Pianistin und Komponistin Clara Schumann kondolierte der Familie Stoltze zum Tode des Schriftstellers 1891. In schwungvoller Schrift brachte sie ihr Mitgefühl den Töchtern und Söhnen zum Ausdruck. Mit ihrer Anteilnahme stand sie nicht allein. Ganz Frankfurt trauerte um den beliebten Lokalpoeten und Satiriker.

Soweit eine Auswahl der Briefe an Friedrich Stoltze im neuen Museum am Markt 7. Gabriela Mizerska hat die Ausstellung optisch gestaltet und Handschriften, Hintergrundinformationen und Fotos zusammengetragen. Regina Schauerle entwickelte das Zeitungslayout im 3. Stock, das sich in Anlehnung an Stoltzes Frankfurter Latern durch das ganze Museum zieht. Anfang Mai werden OB Peter Feldmann und Sparkassenchef Robert Restani das Museum offiziell eröffnen.