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Letzte Aktualisierung: 21.08.2019

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„Hessisch is gar net so schwer“

„Isch glaab, Dir brennt de Kittel“ bei den Dreieichenhainer Burgfestspielen

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(13.08.2019) Es war ein Fest für alle Freunde der Hessischen Mundart, was Ulrike Neradt und Walter Renneisen gemeinsam mit dem Pianisten Frank Golischewski dem Publikum in der Burg Hayn boten.

Bildergalerie
Das Trio von „Isch glaab, Dir brennt de Kittel“ in Dreieichenhain
Foto: Dreieichenhainer Burgfestspiele / Karl-Heinz Stier
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Szenenausschnitt mit Frank Golischewski als knurrender Hund, geführt von Ulrike Neradt und Walter Renneisen
Foto: Dreieichenhainer Burgfestspiele /Karl-Heinz Stier
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Golischewski begleitete nicht nur feinfühlend und zurückhaltend, er musste sogar öfter mal mitspielen, beispielsweise als Kuckucksuhr oder als knurrender Hund an der Leine. 

„Hessisch is gar net so schwer, wenn Se´s aach net verstehe! Sie wisse awwer, was mer maane!“ gaben Neradt und Renneisen den Nicht-Hessen im Publikum mit auf den Weg. Unnachahmlich, authentisch, herzerfrischend zündeten die Beiden ein Feuerwerk an Sprüchen, Kalauern, Gedichten, Zwiegesprächen und Gesangsstücken in der Sprache, die im Allgemeinen als Hessisch gilt, auf der Bühne der Burgfestspiele. Das Publikum war hingerissen! 

Die charmante Ulrike Neradt, einst erste Deutsche Weinkönigin, in Martinsthal geboren, Chansonette, Kabarettistin und Fernseh-Moderatorin und der Grimme-Preisträger und Schauspieler Walter Renneisen, hessisches Urgestein, haben sich offensichtlich gesucht und gefunden. Da sitzt jedes Wort, der Wortwechsel trifft den Punkt, alles stimmt und nichts klingt falsch. Besonders der leichte Rheingauer Dialekt von Ulrike Neradt ist bezaubernd, wenn sie z.B. sagt „Ängst statt Angst“. 

Dass die Hessen eine ganz eigene Sprache pflegen, weiß man. „Ei, wo machsten hie? Ei, isch mach ins Bett!“ hat schon so manchen Auswärtigen erstaunt. Und der trockene Hessische Humor trifft‘s genau mit  „Isch versteh net, wie mer so viel saufe kann!“ Antwort des Mannes: „Wenn de nix devoo verstehst, dann red aach net driwwer!“ 

Während leider ein leichter Regen hernieder rieselte, erklomm ein Eichhörnchen die Mauer des Burgturmes hinter dem Zelt und verschwand in einer Schießscharte. Ob es auch zugehört hat? 

Die Themen waren durchaus sehr aktuell, sogar der Wetterbericht im TV, englische Vokabeln und die Mülltrennung wurden karikiert. Und die typischen hessischen Zischlaute wie isch, Disch und misch erklärte Renneisen so: „Isch liebe Disch“ klingt so zart, wie wenn die Luft aus einem Fahrradschlauch entweicht!“.

Es war ein erheiternder, kurzweiliger Abend, an dem viel gelacht werden konnte. Das Trio wurde mit lang anhaltendem Schlussapplaus belohnt. Ulrike Neradt und Walter Rennwiesen – wir wollen Euch gerne wiedersehen!