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Letzte Aktualisierung: 24.05.2019

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„Goodbye Hoechst“ – Protokoll eines Dramas

Lesung mit Ex-Vorstandsmitglied Dr. Seifert in Königstein

von Norbert Dörholt

(15.03.2019) Einen Blick hinter die Kulissen, der Schaudern macht und manchmal schier unglaublich wirkt, gibt Dr. Karl-Gerhard Seifert, von 1988 bis 1997 Mitglied im Vorstand der Hoechst AG, am Donnerstag, 21. März, ab 19.30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus, Am Hohlberg 19, in 61462 Königstein, Ortsteil Schneidhain. Er liest dort aus seinem Buch „Goodbye Hoechst“, signiert und beantwortet auch Fragen. Der Eintritt ist frei.

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Liest am Donnerstag, 21.März, ab 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Königstein aus seinem Buch „Goodbye Hoechst“: das einstige Vorstandsmitglied von Hoechst Dr. Karl-Gerhard Seifert.
Foto: Frankfurter Societäts Verlag
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Foto: Frankfurter Societäts Verlag
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Das Buch kam erst im Dezember vergangenen Jahres auf den Markt. Die erste Auflage war binnen einer Woche vergriffen. Der Frankfurter Societäts Verlag druckte umgehend nach, zu wenig, denn auch die zweite Auflage wurde den Händlern förmlich aus den Händen gerissen. So ist mittlerweile auch schon die dritte Auflage gedruckt.

Was macht das Buch so außergewöhnlich? Hoechst, der Chemiegigant aus dem gleichnamigen Stadtteil im Westen Frankfurts, gehörte einst zu den Flaggschiffen der Großchemie in Deutschland. Die Rotfabriker, wie sie im Volksmund genannt wurden, waren Anfang der 1980-er Jahre sogar das größte Pharmaunternehmen der Welt – ehe ab etwa Mitte der 1990-er Jahre ein durch unübersehbare Managementfehler bedingter Niedergang einsetzte, der letztlich zur Zerschlagung des früheren Weltkonzerns führte.

Karl-Gerhard Seifert blickt in seinen Erinnerungen auf die Vorgänge zurück, die maßgeblich waren für die Fusion mit Rhone-Poulenc zu Aventis. Viele Geschehnisse erschienen ihm so unglaublich, dass er ab dem Jahr 2000 begann, das Erlebte aufzuschreiben. Seine Protokolle, Dokumente und Aufzeichnungen der Gespräche mit Kollegen aus Vorstand und Aufsichtsrat beginnen aber viel früher und bilden die Grundlage für dieses Buch, das ein wesentliches Kapitel der jüngeren deutschen Industriegeschichte nachzeichnet.

Eine Vielzahl von Reaktionen ist seit Erscheinen des Buches bereits auf Verlag und Autor förmlich niedergeprasselt, gewürzt jeweils mit viel Bitterkeit und Wut. Stellvertretend für so viele Äußerungen möge der Satz stehen, den der frühere international tätige und intern sehr geschätzte Revisor von Hoechst Heinz Uhlig nach Lektüre des Buches schrieb und dabei besonders die Rolle des damaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Dormann bewertete: „Dormanns Entwicklung ähnelt dem Muster aller bekannten Diktatoren: Selbstüberschätzung, Größenwahn, Vorgaukelung tiefergehenden Wissens, Realitätsferne, Geheimnisumwitterung, Günstlingswirtschaft, zunehmende Abschottung gegenüber anderen Meinungen usw.“

(„Goodbye Hoechst“ von Dr. Karl-Gerhard Seifert, Frankfurter Societäts-Verlag, 25 Euro, Hardcover, 575 Seiten, ISBN 978-3-95542-321-6)