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Letzte Aktualisierung: 18.10.2019

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„Erzählung.Macht.Identität." Auf der Suche, was unsere Region zusammenhält

Vierter Themenschwerpunkt des Kulturfonds Frankfurt RheinMain gestartet

von Dirk Metz-Kommunikation

(05.07.2019) Wer aktuell in der Region Frankfurt RheinMain unterwegs ist, dem könnten womöglich drei Worte – Erzählung, Macht und Identität – begegnen.

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Foto: Kulturfonds Frankfurt RheinMain
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Denn in diesen Tagen hängen in Frankfurt, Darmstadt, Wiesbaden, Bad Homburg und vielen anderen Städten des Rhein-Main-Gebietes Großflächenplakate, die auf den neuen vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain initiierten Schwerpunkt „Erzählung.Macht.Identität." aufmerksam machen. Der aktuelle Themenfokus ist eine Einladung an Kulturschaffende und Kulturinstitutionen in der Region, das Thema künstlerisch zu interpretieren und umzusetzen. Noch bis Ende 2021 fördert der Kulturfonds unter diesem Dach passende Veranstaltungen und Projekte.

„Mit dem aktuellen Schwerpunktthema wollen wir die Kulturschaffenden einladen, der Frage nachzuspüren, was die Rhein-Main-Region verbindet", erläutert Dr. Helmut Müller, Geschäftsführer des Kulturfonds Frankfurt RheinMain: „Schon die Tatsache wie schwer die Region sich seit Jahrzehnten mit Gemeinschaftsprojekten tut, zeigt, dass es keine Rhein-Main-Identität im engeren Sinne des Wortes gibt." Von den Kulturschaffenden erhoffe sich der Kulturfonds, dass diese im Rahmen des Themenschwerpunktes „Erzählung.Macht.Identität." den verbindenden Elementen nachspürten und vielleicht Impulse für eine mögliche Rhein-Main-Identität gäben. „Identität entsteht aus Erzählungen. Der Begriff ‚Macht‘ wirft die Frage auf, welche Mechanismen wirken, dass manche Erzählungen bleiben und andere verschwinden." Der Kulturfonds lädt im Rahmen von „Erzählung.Macht.Identität." dazu ein, sich mit folgenden Leitfragen zu beschäftigen: Welche Erzählungen prägen Frankfurt RheinMain? Wie tragen Mythen, Märchen, Legenden und Geschichten zum kulturellen Selbstbild einer Region bei? Und wie verwandeln sich traditionelle Erzählformen in Bildender Kunst, Literatur, Musik und Theater durch den individuellen oder künstlerischen Zugriff?

Mit der Förderung unterschiedlichster Projekte im Rahmen des Schwerpunktthemas bietet der Kulturfonds einen geschützten Raum für Kunst und Kultur, in dem diese Fragen von Kulturschaffenden und Kulturinstitutionen bearbeitet und kritisch diskutiert werden können, erläutert Müller: „Wir sehen Kunst und Kultur als ein Labor, in dem experimentieren erlaubt und notwendig ist."

Für Dr. Julia Cloot, Kuratorin und stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturfonds Frankfurt RheinMain, tragen die Schwerpunktthemen des Kulturfonds wesentlich zur Vernetzung bei: „Unser Anliegen ist es, die künstlerischen Aktivitäten in der Region zu bündeln und Kooperationen von Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden anzuregen. Schon mit unseren vorherigen Schwerpunkten ist es gelungen, der Geschichte der Region und ihren unterschiedlichen Facetten in übergreifenden Projekten auf den Grund zu gehen. Umso mehr freuen wir uns auf die künstlerische Entdeckungsreise, die in den kommenden drei Jahren unter dem Dach von ‚Erzählung.Macht.Identität.‘ stattfinden wird." Bereits in drei Veranstaltungen waren Kulturschaffende dazu eingeladen, sich dezidiert mit dem Schwerpunktthema auseinanderzusetzen. So fand im Mai letzten Jahres ein erster Auftaktworkshop statt. Anschließend folgte im November 2018 ein weiterer Workshop mit der Literaturwissenschaftlerin Prof. Vera Nünning. Die anwesenden (potenziellen) Projektpartner arbeiteten gemeinsam mit Nünning an der Frage, wie an der Literatur geschulte Kriterien auf andere Künste übertragen und dort fruchtbar gemacht werden können. Im Mai dieses Jahres fand schließlich die erste öffentliche Veranstaltung zum aktuellen Themenschwerpunkt „Erzählung.Macht.Identität." statt: In einem Gespräch diskutierten Kulturexpertin Dr. Sandra Danicke und Kurator Professor Kasper König über die identitätsbildende Macht und weitere Grundfragen kuratorischen Erzählens.

Im Rahmen des aktuellen Themenschwerpunkts fördert der Kulturfonds Frankfurt RheinMain derzeit 17 Kulturprojekte in der Region, die eine breite Sichtbarkeit entfalten: Im Frühjahr fand bereits der „Wiesbadener KrimiMärz 2019" statt, der unter dem Dach von „Erzählung.Macht.Identität." unterstützt wurde. Das Gleiche gilt für die noch bis zum 1. September 2019 laufende Doppelausstellung „Bewegung ist da – Jugendstil: Das Gestern im Heute mit Blick auf Offenbach", die im Haus der Stadtgeschichte und im Klingspor Museum in Offenbach gezeigt wird. Am 19. September 2019 feiert dann Goethes Epos „Reineke Fuchs" in der neuen Volksbühne im Großen Hirschgraben in Frankfurt Premiere. Anschließend folgen in diesem Jahr noch acht weitere Aufführungen.

Bereits seit 2009 setzt der Kulturfonds Themenschwerpunkte, die jeweils auf mehrere Jahre angelegt sind und schon in der Vergangenheit maßgeblich dazu beigetragen haben, das Profil der Region zu schärfen. Die Schwerpunkte greifen stets Themen auf, die mit der Region und deren Identität eng verwurzelt sind. Die bisherigen Schwerpunkte, „Phänomen Expressionismus" (2009-2012), „Impuls Romantik" (2012-2015) und „Transit" (2015-2018), haben mit ihren insgesamt rund 150 Projekten ca. 1,4 Millionen Besucherinnen und Besucher erreicht. „Erzählung.Macht.Identität." ist der vierte Themenschwerpunkt und für den Zeitraum von 2019 bis 2021 angesetzt.

Der Kulturfonds Frankfurt RheinMain wurde im Jahr 2007 auf Initiative der Hessischen Landesregierung als gGmbH mit Sitz in Bad Homburg gegründet. Hauptaufgabe des Kulturfonds ist es, die Metropolregion Frankfurt RheinMain durch kulturelle Zusammenarbeit besser zu vernetzen, die Attraktivität zu stärken sowie die kunst- und kulturgeschichtliche Tradition der Region zu dokumentieren. Der Fonds fördert vor allem Projekte mit nationaler und internationaler Strahlkraft und daneben auch regional vernetzende Kulturaktivitäten.

Vorsitz des Kulturausschusses