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Letzte Aktualisierung: 22.10.2019

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„Ein Haus voller Geschichten“

Struwwelpeter-Museum mit neuer Bleibe

von Karl-Heinz Stier

(24.09.2019) Die neue Frankfurter Altstadt ist um eine Attraktion reicher. Nach dem Stoltze-Museum vor wenigen Monaten ist nunmehr gestern das neue Struwwelpeter-Museum Hinter dem Lämmchen 2-4 eröffnet worden.

Bildergalerie
Das Museum - untergebracht in den zwei Häusern Hinter dem Lämmchen 2-4
Foto: Karl-Heinz Stier
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Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann(1809-1894)
Foto: Karl-Heinz Stier
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Eine der ersten Struwwelpeter-Ausgaben
Foto: Karl-Heinz Stier
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Das Theater– und Kostümzimmer im neuen Haus
Foto: Karl-Heinz Stier
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Der kubanische Maler Noa mit dem Struwwelpeter auf kubanisch
Foto: Karl-Heinz Stier
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Sie standen Rede und Antwort auf der Pressekonferenz v.l.n.r.:: Torsten Neubacher von der frankfurter werkgemeinschaft als Eigentümerin der Liegenschaft, Museumsleiterin Beate Zekorn-von Bebenburg und Michael Wesp, Geschäftsführer der Struwwelpeter egGmbH.
Foto: Karl-Heinz Stier
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Fast 175 Jahre, nachdem der Frankfurter Arzt und Psychiater Heinrich Hoffmann (1809 bis 1894) den Struwwelpeter erfand, hat die weltweit größte Sammlung von Exponaten zum Binderbuchklassiker ein neues Zuhause in zwei nach historischen Vorlagen konstruierten Fachwerkhäuser am Hühnermarkt bekommen.

Wenige hundert Meter von hier schuf der vielseitige Dr. Hoffmann in der Vorweihnachtszeit 1844 ein Bilderbuch für seinen 3-jährigen Sohn Carl. Dieses Heft mit den bunten Bildern und einprägsamen Versen erschien ein Jahr später als Buch. Es wurde sofort ein großer Erfolg, in mehr als 40 Sprachen und 80 deutschen Dialekten. In der interaktiven Ausstellung für jedes Alter erzählen seltene Buchexponate, Parodien, Kitsch und Kunst von der Erfolgsgeschichte des ebenso geliebten wie abgelehnten Struwwelpeter. In Porträts, Briefen, Skizzen und Erstausgaben wurde Heinrich Hoffmann als Autor und Illustrator, Psychiatrie-Reformer, politisch interessierter Bürger, liebevoller Familienvater und überzeugter Frankfurter präsentiert.

Der Struwwelpeter hat überall Eindruck hinterlassen. Sie spiegeln sich in der Ausstellung wider. Das Heraustreten der Figuren aus dem biedermeierlichen Kinderbuch ist im Foyer inszeniert. Hier kommen Struwwelpeter, Hanns-Guck-in- die-Luft und Paulinchen als beleuchtete Figuren aus der Wand heraus. „Der Blick aufs Detail soll gestärkt werden, um eine neue Sichtweise auf die vertrauten Gesichter zu ermöglichen“, so die Veranstalter.

Medienstationen bieten in einer zusätzlichen Ebene Bild- und Textinformationen zur Biedermeierzeit, zu den Hintergründen der Struwwelpeter-Geschichten, zur Psychiatriegeschichte sowie zu Hoffmanns politisch-literarischem Netzwerk, zu dem Persönlichkeiten wie Ludwig Uhland oder Friedrich Hecker gehörten. Kleine und große Besucher können sich an „Geschichteninseln“ mittels analogen oder digitalen Spielen auf Bildschirmen mit dem Struwwelpeter beschäftigen.

Bewährtes ist mit vom alten Standort im Westend, wo man über 40 Jahre zuhause war, ins neue Haus mit umgezogen, so das Theaterzimmer mit den Kostümen und Requisiten zu den Geschichten. Nun können die Kinder ihre improvisierten Aufführungen auf einer kleinen Bühne zeigen. Neu ist das „Struwwelpeter-Forum“, mit einer 120 Quadratmeter großen Kunst- und Veranstaltungsfläche, die auch vermietet wird.

Zwei Flächen für Wechselausstellungen können aktualisierte Verknüpfungen mit der Gegenwart vermitteln. Die zweite Etage bietet Raum für weitere Wechselausstellungen wie jetzt die Schau „der kubanische Struwwelpeter“, präsentiert vom kubanischen Künstler Noa, der Heinrich Hoffmanns 175 Jahre alte Illustrationen witzig und farbenfroh in die Gegenwart von Kuba übertragen hat.

Das Struwwelpeter Museum ist ein privates Museum, das von der Stadt institutionell gefördert wird. Als gemeinnützige GmbH ist das Museum Teil der frankfurter werkgemeinschaft e.V., eines Anbieters von Teilhabeleistungen für psychisch erkrankte und behinderte Menschen. Es wird als Inklusionsbetrieb geführt, in dem Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen arbeiten. In dem neuen Haus arbeiten 12 Angestellte, fünf davon sind Behinderte. Die beiden Häuser haben 3,5 Millionen Euro gekostet. Die Stadt Frankfurt gibt der werkgemeinschaft jährlich einen Zuschuss von 240 000 Euro.

Im Museumsshop kann man Produkte kaufen, von denen viele in Werkstätten für behinderte Menschen hergestellt wurden. „So bewahrt das Museum nicht nur den materiellen Nachlass von Heinrich Hoffmann, sondern auch das geistige Erbe des Psychiatriereformers findet hier seine moderne Fortsetzung“, betonte Museumsleiterin Beate Zekorn-von Bebenburg.

Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
Mehr Informationen unter Tel.: (069)747969 oder www.struwwelpeter-museum.de