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Letzte Aktualisierung: 21.08.2019

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„Der Lack ist ab….“

Ulrich Michael Heissig als Irmgard Knef

von Ingeborg Fischer und Karl-Heinz Stier

(29.07.2019) Sie erschien auf der kleinen Bühne im Hof des Weingutes Diefenhardt in Martinsthal, und das Publikum begrüßte die Möchtegern-Diva mit herzlichem Applaus. Die Rede ist von „Hildegard Knefs Zwillings-Schwester Irmgard“, die es nie gegeben hat, aber erfunden werden musste.

Die erfundene Irmgard Knef in der Aktion auf der Bühne mit dem Pianisten Clemens Maria Kitschen
Foto: Ansgar Klostermann (Rheingau Musik Festival)
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Das hat der Regisseur, Autor und Chanson-Kabarettist Heissig getan, hoch dekoriert mit dem  Kabarett-Förderpreis, dem deutschen Kabarett-Sonderpreis und dem Hauptpreis vom Kleinkunst Preises Baden-Württemberg.

Sie plaudert im Sprachduktus der erfolgreichen Schwester, gleicht ihr aufs Haar, wäre gern auch so erfolgreich, ist jedoch im Hinterhaus einer Berliner Mietskaserne zu Hause. „Die Knef“ ist bekanntlich 1925 geboren, und die fiktive Irmgard erblickte wenige Minuten später das Licht der Welt. Und so steht sie nicht im Rampenlicht wie ihre Schwester, ist immer die Zweite, unverdrossen aber Optimistin. 

„Aus jedem Playboy-Party-Häschen wird ja später ein alter Hase“, und so mimt Ulrich Michael Heissig die Knef-Schwester mit ihren 94 Jahren überzeugend gebrechlich, aber mit Kampfgeist. Schnodderig singt sie –beziehungsweise er – Hildegards Songs mit neuen, oft auch anzüglichen Texten.  Sie macht Ausflüge in  französische Chansons, wenn es um Rosen geht und bedauert Miss Sophie aus „Dinner for one“, begrüßt ihrerseits nicht  Mr. WInterbottom, Pommeroy und Schneider, sondern Willy Brandt, Peter-Scholl Latour und Lous Trenker, die sie zum Vergnügen des Publikums imitiert.

Über eineinhalb Stunden unterhält Heissig das Publikum, das im Rahmen des Rheingau Musik Festival nach Martinsthal gekommen ist, gekonnt und mit vielen guten Einfällen. Er lässt über die Erfolge von Hildegard erzählen und über die Niederlagen der Irmgard. In der ersten Hälfte ist das Programm spritziger, nach der Pause flacht es etwas ab und wird ein wenig schlüpfrig. Die aufgezeigten alten Liebhaber waren scheinbar doch ein wenig zu viel.

Irmgards Resümee: „Früher gab es Sex, Trucks, Rock´n Roll - heute Veganismus, Laktose-Intoleranz und Helene Fischer“ war allerdings ein vergnügliches Bonmot.

Alles in allem: der Abend hat sich gelohnt. Immerhin haben wir Hildegards Schwester kennenlernen dürfen, die es ja leider nie gegeben hat.

Begleitet wurde Heissig-Irmgard hervorragend vom Pianisten Clemens Maria Kitschen, dem man die Freude an seinem Part ansehen konnte und der bravourös begleitete.