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Letzte Aktualisierung: 07.12.2018

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„… die Schönheit der Sprache jedoch strahlt“.

Werke von Buchkünstler Hermann Rapp im Freien Deutschen Hochstift

von Karl-Heinz Stier

(03.12.2018) Er folgte dem Leitspruch berühmter Vorbilder, wonach ein Buch aus den fünf Elementen Text, Schrift, Farbe, Papier und Einband besteht. Daraus müsse nach den alten Regeln von Satz und Druck eine zeitlose Einheit entstehen, die eine „vollendete Schönheit ergebe“. Das war der Grundsatz, in denen der Buchkünstler Hermann Rapp (1937 – 2015) seine Arbeiten fertigte. Seine Ausstellung unter dem Titel „... die Schönheit der Sprache jedoch strahlt“ wurde gestern im Arkadensaal des Freien Deutschen Hochstiftes im Goethemuseum im Großen Hirschgraben 23-25 eröffnet.

Buchkünstler Hermann Rapp
Foto: Freies Deutsches Hochstift
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Er gehört zu  den bedeutendsten Buchkünstlern der Gegenwart. Seine Schwerpunkte der ausgewählten Literatur liegen bei Texten von Goethe und Schiller. Seine besondere Zuneigung gilt jedoch dem Werken Hölderlins, mit dem auch die Nähe zu den altgriechischen Denkern und Dichtern gesucht wird.

Auch die Deutsche Romantik inspirierte Rapp. Zu einem Manuskript aus dem Kreis um Hegel, Schelling, Hölderlin, das erst 1917 als ältestes „Systemprogramm des deutschen Idealismus“ veröffentlicht wurde,  schuf er unter dem Titel ‚Hinterlassenschaft einer Zukunftsidee‘  einen eindrucksvollen Pressedruck mit mehrfarbigen  Original-Graphiken als Linolschnitte. Rapps Drucke erschienen alle in kleinen Auflagen.

Der Künstler bezeichnet sich selbst als „angeborener Schwabe, gelernter Schriftsetzer, Autodidakt als Holzschneider und Graphiker und geübt in verschiedenen graphischen Techniken“. Er arbeitete erst als Setzer, dann als Lehrlingsausbilder in einer Stuttgarter Großdruckerei, wechselte 1964 als Verlagshersteller nach Frankfurt und arbeitete dann fast 30 Jahre als Künstlerischer Leiter im Polygraph Fachverlag. Seit 1979 lebte er im Taunusdorf Neuweilnau. 1989 verwirklichte er seinen alten Traum und richtete eine eigene Presse ein. Sie trug den Namen nach dem Haus zur Goldenen Kanne, in dem sie betrieben wurde: Offizin Die Goldene Kanne.

Diese druckgraphische Werkstatt pflegte die klassische und experimentelle Typographie mittels Bleisatz und Originalgraphik. Es wurden neugegossene und aufgefundene Schriften verwendet, Büttenpapiere und besondere Konsumpapiere benutzt. Die Drucke spiegeln Rapps Auseinandersetzung mit der Literatur, mit der Geschichte und seiner Zeit. Neben den Büchern entstanden Aquarelle, Zeichnungen und Collagen sowie Unikatbücher.

Seine druckgraphischen Werke wurden in Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, u.a. in Oslo, Krakau, Weimar, Tübingen und Bad Homburg. Sie sind in Privatsammlungen zu finden und haben Eingang in öffentliche Sammlungen in Mainz, Nürnberg, Wolfenbüttel und der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar gefunden. 2015 verstarb Hermann Rapp.

Mit einer großzügigen Schenkung von seiner Frau Gisela besitzt das Freie Deutsche Hochstift – Frankfurter Goethemuseum nun die umfangreiche Sammlung von Werken der Offizin Goldene Kanne. Ein Teil davon wird nun mit der Ausstellung bis 3. Februar 2019 einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

Die Öffnungszeiten sind von Montag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr, Sonntag- und Feiertage von 10 bis 17.30 Uhr. Geänderte Öffnungszeiten am 24., 25. und  31. Dezember. Am 1. Januar geschlossen.

Anlässlich der Ausstellung bietet das Freie Deutsche Hochstift eine Werkstatt zum Mitmachen an. Museumsbesucher haben die Gelegenheit, mit den originalen Druckplatten des Künstlers ihre eigenen Blätter kunstvoll zu bedrucken. Termine: 2. und 9. Dezember von 12.30 Uhr bis 14.30 Uhr bzw. 11 bis 14 Uhr.